Samstag, 3. Oktober 2026
Zum Tag der deutschen Einheit - und zu einem regionalen CVJM Jahresfest
Es gibt ein schönes Kinderbuch: Die Kleine Kartoffel und der Sinn des Lebens.
Die kleine Kartoffel bricht aus aus der Gemeinschaft. Sie will nicht in der allgemeinen Suppe untergehen. Sie spürt, dass sie zu Höherem bestimmt ist.
Ist das so ein Widerspruch? Bedeutet Eins sein oder Einigkeit, dass alle das Gleiche tun?
Wir feiern heute den Tag der deutschen Einheit. Ein von Siegermächten aufgeteiltes Deutschland durfte nach 40 Jahren wieder eine Gemeinschaft sein. Familien und Freund*innen feierten ein Wiedersehen. Solidarität wurde groß geschrieben. Aber es gab auch weiterhin viel Trennendes. Bis heute. 40 Jahre Sozialisation in zwei grundlegend verschiedenen politschen Systemen, das geht nicht spurlos an Menschen vorbei. Das wirkt lange nach. Bis heute. Doch viele arbeiten weiter daran, dass wir uns einigen: demokratisch, solidarisch, optimistisch.

Wir feiern das CVJM Jahresfest. In der Pariser Basis des CVJM Weltbundes steht der Satz: „Die Christlichen Vereine Junger Menschen haben den Zweck, solche jungen Menschen miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Menschen auszubreiten.“
Versteht Ihr das? Gemeint ist: dieser Verein ist dazu da, junge Menschen zusammen zu bringen, die sich zu Jesus Christus bekennen, so wie von ihm in der Bibel erzählt wird, die sich bemühen, nach seinem Vorbild zu leben und dieses durch Reden und Tun an andere weitergeben. Ich hoffe, das ist verständlicher.
Darum ist unser Verein kein Closed Shop und kein Exklusiver Haufen. Alle dürfen kommen und an unseren Angeboten teilhaben. Auch Menschen, die der Kirche skeptisch gegenüber stehen. Auch Menschen mit einer anderen Religion. Sie müssen sich nur an unsere wichtigste Regel halten: ein respektvoller Umgang mit jeder und jedem.

Jesus wollte, dass seine Jünger eine Einheit bilden und danach die ganze Christenheit. Aber sollte es nicht für die ganze Menschheit gelten? Vielleicht ist es anmaßend, an dieser Stelle weiter zu denken. Doch Jesus hat sich im Laufe seines Wirkens auch weiter entwickelt. In der Geschichte von der Kanaaniterin, die um Heiling für ihre Tochter bittet, weist Jesus sie zurück, weil sie keine Jüdin ist, Er beleidigt sie sogar, indem er erklärt: Man nimmt das Brot nicht den Kindern weg, um es den Hunden vorzuwerfen. Die Frau beschämt ihn, indem sie argumentiert, dass die Hunde von den Bissen leben, die zufällig vom Tisch fallen. Daraufhin denkt Jesus um. Er bewundert den tiefen Glauben dieser fremden Frau und ändert seine Haltung. Er hilft ihr und will fortan für alle Menschen da sein.
Ich glaube der Jesus von heute, will alle umarmen. Nicht nur die, sie sich offiziell zu ihm bekennen.
Die kleine Kartoffel war anders als die anderen, doch sie hat sich auf ihre Weise hervorgetan. Als Saatkartoffel hat sie dazu beigetragen, dass die Menschen und Tiere auch in Zukunft satt werden. Ihr eigenes Leben hat sie damit beendet, denn wer schon einmal eine Saatkartoffel ausgegraben hat, weiß dass sie matschig und ungenießbar ist. Sie wird in der Erde vergehen. Aber sie hat reichlich Nachkommen hervorgerbracht, von denen einige ihrem Beispiel folgen werden. Meistens nimmmt man dafür die kleinen.
Und so hat jeder in einer Gemeinschaft seinen Wert. Auch der oder diejenige, der oder die einfach nur da ist. Auch Pflegebedürftige, Menschen mit schwersten Behinderungen, Schwache, Kranke, Sterbende.
Morgen feiern wir Erntedankfest. Da spielen die Früchte des Feldes auch eine traditionelle Rolle. Auch die Kartoffel. Und wer sich ein bisschen auskennt, weiß dass es Kartoffeln nicht nur in gelb mit brauner Schale gibt, sondern auch mit roter Schale, mit lila Fruchtfleisch oder als orange Süßkartoffel, in skurrilen Formen, festkochend, mehlig und mit sehr unterschiedlichen Aromen.
Und was man alles daraus machen kann! Fritten, Salzkartoffeln, Puffer, Pürree, Kroketten, Bratkartoffeln, Gratin, Chips,…
So können sich auch Menschen auf so vielfältige Weise entwickeln und ihren nützlichen Beitrag leisten zu einer wunderbaren, bunten, vielfältigen, lebendigen Gemeinschaft.
Feiern wir die Einigkeit der Vielfalt: Als CVJM-er, als Christ*innen, als Deutsche, als Europäer*innen, als Weltbürger*innen, als Menschen.
Amen

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