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Sonntag, 31. März 2019
Heute nur ein Bild zum Predigttext
c. fabry, 21:15h

47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.
(Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 6, Verse 47-51)
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Donnerstag, 14. März 2019
Thermowichs
c. fabry, 11:26h
Gestern lief im WDR-Fernsehen eine Sendung, die ich nur verfolgte, weil ich nach der Tagesschau zu faul zum Umschalten war. So erreichte mich die irritierende Nachricht, dass es im Internet einen Shitstorm gegen die Firma Vorwerk gibt, weil der neueste Thermomix viel zu früh auf den Markt kommt. Ich konnte mir beim besten Willen nicht erklären, was da vor sich geht, wurde dann aber aufgeklärt.
Diese völlig überteuerte Hochleistungs-Küchenmaschine mit Entmündigungsfunktionen für kulinarisch Unfähige wird regelmäßig optimiert. Das Gerät ist an sich ein Statussymbol – und so wie Tupperware nur bei Verkaufsveranstaltungen zu erwerben – wer aber ganz weit vorne sein will, der braucht natürlich die aktuellste Version, sonst ist man in der Peergroup direkt unten durch. Viele hatten sich das Geld für den neuesten Thermomix zum Weihnachtsfest vom Munde abgespart und sich vergewissert, dass dieses Modell mindestens für die nächsten zwei Jahre der neueste Schrei sei. Und nun das: Jetzt kommt das total durchoptimierte Gerät auf den Markt: Leiser, komfortabler in der Handhabung, schicker, teurer. Das hat die, die ihre Seele dafür verkaufen, immer das allerbeste zu besitzen, unendlich erbost.
Haben die noch alle Latten am Zaun? Was ist los mit diesen Leuten? Ein derartiges Suchten nach High-End-Produkten zieht sich ja durch den gesamten Elektronik-Markt: Playstation, Smartphones, Fernseher, Laptops, Dampfbügeleisen… und Autos natürlich. Mal abgesehen davon, dass diese konsumgeilen Warenfetischist*innen nur von zwölf bis Mittag denken und völlig außer Acht lassen, dass uns allmählich die Ressourcen ausgehen, unser Planet im Müll erstickt und sich immer weiter aufheizt bis uns bald alles um die Ohren fliegt:
Warum ist es so wichtig, immer das Größte, Beste, Schnellste und Wertvollste zu besitzen? Zufrieden macht es offenkundig nicht, es ist ja ein permanentes Nachjagen wie im Märchen von Hase und Igel: Der Hase ist der Konsument*in, der Igel, das sind die Produzent*innen, die sich an der Berechenbarkeit ihrer Kund*innen eine goldene Nase verdienen und sich ins Fäustchen lachen. Alle anderen können dabei nur verlieren.
Aber was versprechen sich die Käufer*innen davon? Sie wären selbst gern der Höchste, die Größte, der von allen bewundert wird, auf die alle hören. Mit den Statussymbolen wollen Menschen sich selbst aufwerten, weil sie im Grunde wissen, dass sie kleine Würstchen sind. Je kleiner das Würstchen, desto härter der Kampf um Bedeutung und Anerkennung. Und mit dieser Bedeutung und Anerkennung versuchen sie, ihre kranken Seelen zu heilen – und scheitern täglich.
Es gibt dazu eine schöne Geschichte in den Evangelien, die vom Rangstreit unter den Jüngern. (Mt 18,1-5; Mk 9,33-47; Lk 9 46-50) Sie streiten darum, wer unter ihnen der Größte ist. In der Markusversion sagt Jesus dazu: „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.“
Allen dienen? Wie geht das? Einkäufe erledigen, Schuhe putzen, Tasche tragen? Der Prophet Jesaja hat einen Text über falsches und echtes Fasten verfasst. Passt gut in die gegenwärtige Passionszeit. Er lehnt die Selbstkasteiung, das selbst gewählte Leiden, den Verzicht um des Verzichts willen kategorisch ab. Aber er bringt deutlich auf den Punkt, was es heißt, anderen zu dienen.
Jesaja 58, 6-8:
„Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: ungerechte Fesseln öffnen und des Joches Stricke lösen, die Bedrückten frei entlassen und jegliches Joch zerbrechen. Dein Brot dem Hungrigen brechen und obdachlose Arme aufnehmen in dein Haus; den Nackten, den du siehst, bekleiden und dich deinen Mitmenschen nicht entziehen. Dann bricht wie Morgenröte dein Licht hervor, schnell wird deine Heilung sprossen.“
Diese völlig überteuerte Hochleistungs-Küchenmaschine mit Entmündigungsfunktionen für kulinarisch Unfähige wird regelmäßig optimiert. Das Gerät ist an sich ein Statussymbol – und so wie Tupperware nur bei Verkaufsveranstaltungen zu erwerben – wer aber ganz weit vorne sein will, der braucht natürlich die aktuellste Version, sonst ist man in der Peergroup direkt unten durch. Viele hatten sich das Geld für den neuesten Thermomix zum Weihnachtsfest vom Munde abgespart und sich vergewissert, dass dieses Modell mindestens für die nächsten zwei Jahre der neueste Schrei sei. Und nun das: Jetzt kommt das total durchoptimierte Gerät auf den Markt: Leiser, komfortabler in der Handhabung, schicker, teurer. Das hat die, die ihre Seele dafür verkaufen, immer das allerbeste zu besitzen, unendlich erbost.
Haben die noch alle Latten am Zaun? Was ist los mit diesen Leuten? Ein derartiges Suchten nach High-End-Produkten zieht sich ja durch den gesamten Elektronik-Markt: Playstation, Smartphones, Fernseher, Laptops, Dampfbügeleisen… und Autos natürlich. Mal abgesehen davon, dass diese konsumgeilen Warenfetischist*innen nur von zwölf bis Mittag denken und völlig außer Acht lassen, dass uns allmählich die Ressourcen ausgehen, unser Planet im Müll erstickt und sich immer weiter aufheizt bis uns bald alles um die Ohren fliegt:
Warum ist es so wichtig, immer das Größte, Beste, Schnellste und Wertvollste zu besitzen? Zufrieden macht es offenkundig nicht, es ist ja ein permanentes Nachjagen wie im Märchen von Hase und Igel: Der Hase ist der Konsument*in, der Igel, das sind die Produzent*innen, die sich an der Berechenbarkeit ihrer Kund*innen eine goldene Nase verdienen und sich ins Fäustchen lachen. Alle anderen können dabei nur verlieren.
Aber was versprechen sich die Käufer*innen davon? Sie wären selbst gern der Höchste, die Größte, der von allen bewundert wird, auf die alle hören. Mit den Statussymbolen wollen Menschen sich selbst aufwerten, weil sie im Grunde wissen, dass sie kleine Würstchen sind. Je kleiner das Würstchen, desto härter der Kampf um Bedeutung und Anerkennung. Und mit dieser Bedeutung und Anerkennung versuchen sie, ihre kranken Seelen zu heilen – und scheitern täglich.
Es gibt dazu eine schöne Geschichte in den Evangelien, die vom Rangstreit unter den Jüngern. (Mt 18,1-5; Mk 9,33-47; Lk 9 46-50) Sie streiten darum, wer unter ihnen der Größte ist. In der Markusversion sagt Jesus dazu: „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.“
Allen dienen? Wie geht das? Einkäufe erledigen, Schuhe putzen, Tasche tragen? Der Prophet Jesaja hat einen Text über falsches und echtes Fasten verfasst. Passt gut in die gegenwärtige Passionszeit. Er lehnt die Selbstkasteiung, das selbst gewählte Leiden, den Verzicht um des Verzichts willen kategorisch ab. Aber er bringt deutlich auf den Punkt, was es heißt, anderen zu dienen.
Jesaja 58, 6-8:
„Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: ungerechte Fesseln öffnen und des Joches Stricke lösen, die Bedrückten frei entlassen und jegliches Joch zerbrechen. Dein Brot dem Hungrigen brechen und obdachlose Arme aufnehmen in dein Haus; den Nackten, den du siehst, bekleiden und dich deinen Mitmenschen nicht entziehen. Dann bricht wie Morgenröte dein Licht hervor, schnell wird deine Heilung sprossen.“
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Samstag, 9. März 2019
Würdiger Priester? - Literarisches Erschließen eines Predigttextes
c. fabry, 20:03h
Kurz vorab: Im Brief an die Hebräer, dessen Verfasser unbekannt ist, heißt es über den Hohepriester: „Er kann mitfühlen mit denen, die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwacheit an sich trägt. (Hebräer 5,2)
In diesem Brief geht es um die Frage, ob all die Verheißungen des Mose und der Propheten für das Volk Israel sich erfüllen; ob sie sich möglicherweise schon erfüllt haben und die Elenden leer ausgegangen sind, weil sie Gott gegenüber ungehorsam waren.
Hier kommt Jesus ins Spiel, der auf alles ein neues Licht wirft. So heißt es im Predigttext für den 1. Sonntag der Passionszeit im Brief an die Hebräer im 4. Kapitel:
„14 Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern, der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“
Statt hier eine langweilige Auslegung zu verfassen, habe ich mich für eine freie Interpretation des Evangeliums für diesen Sonntag entschieden, auf das sich auch Vers 15 im Predigttext bezieht. Es steht bei Matthäus 4,1-11 – die Vorgeschichte von der Taufe Jesu habe ich mit einbezogen.
Jeshua war noch komplett spirituell aufgeladen. Jochanan, der Sohn von Mutters Cousine Elischabeva hatte ihn mit seinem Taufritual vollends aus der Bahn geworfen. Gut, er war sich bereits seit seinem zwölften Lebensjahr darüber im Klaren, dass er einen großen Auftrag hatte und eine besondere Verbindung zu Gott. Seitdem suchte er nach seinem Platz in der Gesellschaft.
Er war zur Schule gegangen, hatte sich politisch engagiert, sich mit verschiedenen Religionen und Philosophien bschäftigt, hatte studiert, zuerst Jüdische, danach komparative Theologie und schließlich war er für längere Zeit durch Nepal und Indien gereist, hatte Eindrücke gesammelt, sich mit Gläubigen verschiedener Bekenntnisse ausgetauscht und mit jedem Lebensjahr hatte sein Weltbild an Komplexität gewonnen, nicht aber an Klarheit.
Zum Flashmob am Jordan hatte es ihn aus Intuition gezogen. Jochanan war sehr überzeugend mit seiner flammenden Rede von der Notwendigkeit des Bewusstseinswandels zu einer neuen Geisteshaltung.
Er musste ihn unterstützen, hatte das Ritual öffentlich an sich vollziehen lassen und dann war diese Erscheinung über ihn gekommen, die hatte ihn erschüttert hatte bis ins Mark. Er fragte sich, ob Gott wirklich zu ihm gesprochen hatte oder ob es jetzt bei ihm im Kopf losging. Es gab nur einen Weg, das herauszufinden: Irgendwo hingehen, wo er allein und ungestört war, keine eifrigen Erneuerer, keine kuhäugigen Frauen, kein Telefon, kein Verkehrslärm, nur er und die Stille.
Er ging in die Wüste, unweit einer Wasserstelle, damit er nicht verdurstete. Er schwieg, wanderte, saß, dachte nach, harkte den Sand mit seinen Fingern, sammelte Steine und ließ sie liegen, beobachtete den Himmel, lauschte dem Wind und wartete geduldig, dass sein Geist sich klärte. Aber da klärte sich nichts.
Ein silberner SUV näherte sich. Er hielt an der Wasserstelle und eine elegante Erscheinung stieg aus, kein Stäubchen im Haar und nicht eine Schweißperle auf der rosigen Haut.
„Was tun Sie hier?“
„Ich meditiere über eine Vision, die mich ereilt hat.“
„Und was genau haben Sie visualisiert?“
„Eine Taube aus Licht. Und gehört habe ich auch etwas, eine erhebende Stimme, die mich zum Sohn Gottes erklärte.“
„Beunruhigend. Wie lange meditieren Sie schon?“
„Vierzig Tage und vierzig Nächte.“
„Wollen Sie damit sagen, Sie haben sich die ganze Zeit nicht hier wegbewegt?“
„Nicht weiter als ein paar Kilometer. Ich habe die Einsamkeit der Wüste gesucht.“
„Wo schlafen Sie?“
„Unter den Himmeln.“
„Ist das nicht schrecklich kalt?“
„Ich habe einen sehr guten Schlafsack.“
„Und was haben Sie zu essen dabei?“
„Nichts.“
„Sie haben seit vierzig Tagen und vierzig Nächten nichts gegessen?!“
„Nein.“
„Sie müssen vollkommen ausgehungert sein.“
„Das haben Sie scharfsinnig erkannt.“
„Wenn Sie der Sohn Gottes sind, verwandeln Sie doch einfach das Geröll, das hier herumliegt, in Superfood.“
„Wir werden nicht nur von Eiweiß, Kohlehydraten, Fett und Vitaminen am Leben erhalten, sondern auch von der Weisheit Gottes, die sich in Schriften inspirierter Urheber und in vorbildlichen Handlungsweisen offenbart.“
„Ich verstehe. Kleine Kinder, die man nicht anfasst, sterben ja auch. Aber keiner kann nur von Luft und Liebe leben. Ich lade Sie ein. Fahren wir nach Jerusalem in die Altstadt. Ich kenne da ein kleines, arabisches Restaurant, die machen das beste Hommus weit und breit, dazu knackige Salate und einen Ayran, der wie flüssige Seide durch die Kehle gleitet. Einverstanden?“
„Gerne.“
Während der Autofahrt fiel Jeshua der Kopf vor Schwäche und Müdigkeit auf die Brust. Die Erscheinung am Steuer ließ ihn schlafen. Im Restaurant sprachen sie auch kaum, denn nach vierzig Tagen Abstinenz war Jeshua vollkommen aufs Essen konzentriert.
„Nun, da sie geruht und sich gestärkt haben, erfüllen Sie mir einen Wunsch?“
„Welchen?“
„Begleiten Sie mich auf den Tempelberg?“
„Warum?“
„Einfach so, wegen der Aussicht.“
„Gern. Und nachmals vielen Dank für das hervorragende Essen. Sie hatten vollkommen Recht. Es war köstlich.“
Sie wanderten den Hügel hinauf, vorbei an schwer bewaffneten Israelis und finster dreinblickenden Palästinensern. Oben angekommen machte die Erscheinung den nächsten Vorschlag: „Stellen Sie sich doch bitte einmal auf die Klagemauer und lassen Sie sich fallen. Als Sohn Gottes kann Ihnen nichts passieren und Sie kommen nach Ihrer langen Meditation so oder so zu einem Ergebnis. In Psalm 91 heißt es nämlich: 'Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einem Stein stößt.'“
Jeshua hielt dagegen: „Im 5. Buch Mose heißt es: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“
Die Erscheinung zuckte lächelnd mit den Schultern und sagte: „Touché. - Fahren wir an einen wirklich inspirierenden Ort. Vielleicht wird das ihnen weiterhelfen.“
Sie verließen die Altstadt und erreichten schließlich ein Villenviertel unter Pinien und Olivenbäumen. Die Erscheinung führte Jeshua in einen regelrechten Palast. Die Glasfront im Wohnzimmer gab einen atemberaubenden Blick auf Stadt und Umgebung frei und an der Wand hing ein gigantischer Plasma-Fernseher. Ein Tastendruck auf der Fernbedienung und eine Dia-Show voller farbenprächtiger Abbildungen von Prunk, Luxus und Symbolen politischer und militärischer Überlegenheit rauschte wie ein gigantisches Feurwerk über den Bildschirm. Aus starren Fotographien wurden bewegte Bilder von berauschender Schönheit und verheißungsvollen Aussichten.
„Das alles kann Ihnen gehören“, sagte die Erscheinung, „wenn Sie nur fest an sich glauben und sich Ihrer Macht bewusst sind. Ich kann Sie lehren, die Stärken und Schwächen anderer zu Ihrem Vorteil zu nutzen, sich gut zu versorgen und sich dabei als Wohltäter und über jeden moralischen Zweifel erhabenes Vorbild zu inszenieren. Die schönsten Frauen werden Ihnen zu Füßen liegen und die Mächtigen weden sich Ihnen unterwerfen. Sie haben das Potential dazu; Sie müssen nur verstehen, es zu nutzen.“
Da sagte Jeshua: „Verzieh dich, Satan! Im 5. Buch Mose steht: 'Du sollst niemand anderen anbeten als deinen Gott und nur ihm allein dienen.“
Jeshua schmeckte Staub auf der Zunge. Er fühlte sich schwach. Die Erscheinung war fort, doch nun hörte er Stimmen.
Gott hatte Engel gesandt. Sie führten ihn ins nächste Haus. Etwas zu essen, eine Dusche und ein weiches Bett ließen ihn wieder zu Kräften kommen. Er war jetzt soweit. Sein Werk konnte beginnen

In diesem Brief geht es um die Frage, ob all die Verheißungen des Mose und der Propheten für das Volk Israel sich erfüllen; ob sie sich möglicherweise schon erfüllt haben und die Elenden leer ausgegangen sind, weil sie Gott gegenüber ungehorsam waren.
Hier kommt Jesus ins Spiel, der auf alles ein neues Licht wirft. So heißt es im Predigttext für den 1. Sonntag der Passionszeit im Brief an die Hebräer im 4. Kapitel:
„14 Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern, der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“
Statt hier eine langweilige Auslegung zu verfassen, habe ich mich für eine freie Interpretation des Evangeliums für diesen Sonntag entschieden, auf das sich auch Vers 15 im Predigttext bezieht. Es steht bei Matthäus 4,1-11 – die Vorgeschichte von der Taufe Jesu habe ich mit einbezogen.
Jeshua war noch komplett spirituell aufgeladen. Jochanan, der Sohn von Mutters Cousine Elischabeva hatte ihn mit seinem Taufritual vollends aus der Bahn geworfen. Gut, er war sich bereits seit seinem zwölften Lebensjahr darüber im Klaren, dass er einen großen Auftrag hatte und eine besondere Verbindung zu Gott. Seitdem suchte er nach seinem Platz in der Gesellschaft.
Er war zur Schule gegangen, hatte sich politisch engagiert, sich mit verschiedenen Religionen und Philosophien bschäftigt, hatte studiert, zuerst Jüdische, danach komparative Theologie und schließlich war er für längere Zeit durch Nepal und Indien gereist, hatte Eindrücke gesammelt, sich mit Gläubigen verschiedener Bekenntnisse ausgetauscht und mit jedem Lebensjahr hatte sein Weltbild an Komplexität gewonnen, nicht aber an Klarheit.
Zum Flashmob am Jordan hatte es ihn aus Intuition gezogen. Jochanan war sehr überzeugend mit seiner flammenden Rede von der Notwendigkeit des Bewusstseinswandels zu einer neuen Geisteshaltung.
Er musste ihn unterstützen, hatte das Ritual öffentlich an sich vollziehen lassen und dann war diese Erscheinung über ihn gekommen, die hatte ihn erschüttert hatte bis ins Mark. Er fragte sich, ob Gott wirklich zu ihm gesprochen hatte oder ob es jetzt bei ihm im Kopf losging. Es gab nur einen Weg, das herauszufinden: Irgendwo hingehen, wo er allein und ungestört war, keine eifrigen Erneuerer, keine kuhäugigen Frauen, kein Telefon, kein Verkehrslärm, nur er und die Stille.
Er ging in die Wüste, unweit einer Wasserstelle, damit er nicht verdurstete. Er schwieg, wanderte, saß, dachte nach, harkte den Sand mit seinen Fingern, sammelte Steine und ließ sie liegen, beobachtete den Himmel, lauschte dem Wind und wartete geduldig, dass sein Geist sich klärte. Aber da klärte sich nichts.
Ein silberner SUV näherte sich. Er hielt an der Wasserstelle und eine elegante Erscheinung stieg aus, kein Stäubchen im Haar und nicht eine Schweißperle auf der rosigen Haut.
„Was tun Sie hier?“
„Ich meditiere über eine Vision, die mich ereilt hat.“
„Und was genau haben Sie visualisiert?“
„Eine Taube aus Licht. Und gehört habe ich auch etwas, eine erhebende Stimme, die mich zum Sohn Gottes erklärte.“
„Beunruhigend. Wie lange meditieren Sie schon?“
„Vierzig Tage und vierzig Nächte.“
„Wollen Sie damit sagen, Sie haben sich die ganze Zeit nicht hier wegbewegt?“
„Nicht weiter als ein paar Kilometer. Ich habe die Einsamkeit der Wüste gesucht.“
„Wo schlafen Sie?“
„Unter den Himmeln.“
„Ist das nicht schrecklich kalt?“
„Ich habe einen sehr guten Schlafsack.“
„Und was haben Sie zu essen dabei?“
„Nichts.“
„Sie haben seit vierzig Tagen und vierzig Nächten nichts gegessen?!“
„Nein.“
„Sie müssen vollkommen ausgehungert sein.“
„Das haben Sie scharfsinnig erkannt.“
„Wenn Sie der Sohn Gottes sind, verwandeln Sie doch einfach das Geröll, das hier herumliegt, in Superfood.“
„Wir werden nicht nur von Eiweiß, Kohlehydraten, Fett und Vitaminen am Leben erhalten, sondern auch von der Weisheit Gottes, die sich in Schriften inspirierter Urheber und in vorbildlichen Handlungsweisen offenbart.“
„Ich verstehe. Kleine Kinder, die man nicht anfasst, sterben ja auch. Aber keiner kann nur von Luft und Liebe leben. Ich lade Sie ein. Fahren wir nach Jerusalem in die Altstadt. Ich kenne da ein kleines, arabisches Restaurant, die machen das beste Hommus weit und breit, dazu knackige Salate und einen Ayran, der wie flüssige Seide durch die Kehle gleitet. Einverstanden?“
„Gerne.“
Während der Autofahrt fiel Jeshua der Kopf vor Schwäche und Müdigkeit auf die Brust. Die Erscheinung am Steuer ließ ihn schlafen. Im Restaurant sprachen sie auch kaum, denn nach vierzig Tagen Abstinenz war Jeshua vollkommen aufs Essen konzentriert.
„Nun, da sie geruht und sich gestärkt haben, erfüllen Sie mir einen Wunsch?“
„Welchen?“
„Begleiten Sie mich auf den Tempelberg?“
„Warum?“
„Einfach so, wegen der Aussicht.“
„Gern. Und nachmals vielen Dank für das hervorragende Essen. Sie hatten vollkommen Recht. Es war köstlich.“
Sie wanderten den Hügel hinauf, vorbei an schwer bewaffneten Israelis und finster dreinblickenden Palästinensern. Oben angekommen machte die Erscheinung den nächsten Vorschlag: „Stellen Sie sich doch bitte einmal auf die Klagemauer und lassen Sie sich fallen. Als Sohn Gottes kann Ihnen nichts passieren und Sie kommen nach Ihrer langen Meditation so oder so zu einem Ergebnis. In Psalm 91 heißt es nämlich: 'Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einem Stein stößt.'“
Jeshua hielt dagegen: „Im 5. Buch Mose heißt es: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“
Die Erscheinung zuckte lächelnd mit den Schultern und sagte: „Touché. - Fahren wir an einen wirklich inspirierenden Ort. Vielleicht wird das ihnen weiterhelfen.“
Sie verließen die Altstadt und erreichten schließlich ein Villenviertel unter Pinien und Olivenbäumen. Die Erscheinung führte Jeshua in einen regelrechten Palast. Die Glasfront im Wohnzimmer gab einen atemberaubenden Blick auf Stadt und Umgebung frei und an der Wand hing ein gigantischer Plasma-Fernseher. Ein Tastendruck auf der Fernbedienung und eine Dia-Show voller farbenprächtiger Abbildungen von Prunk, Luxus und Symbolen politischer und militärischer Überlegenheit rauschte wie ein gigantisches Feurwerk über den Bildschirm. Aus starren Fotographien wurden bewegte Bilder von berauschender Schönheit und verheißungsvollen Aussichten.
„Das alles kann Ihnen gehören“, sagte die Erscheinung, „wenn Sie nur fest an sich glauben und sich Ihrer Macht bewusst sind. Ich kann Sie lehren, die Stärken und Schwächen anderer zu Ihrem Vorteil zu nutzen, sich gut zu versorgen und sich dabei als Wohltäter und über jeden moralischen Zweifel erhabenes Vorbild zu inszenieren. Die schönsten Frauen werden Ihnen zu Füßen liegen und die Mächtigen weden sich Ihnen unterwerfen. Sie haben das Potential dazu; Sie müssen nur verstehen, es zu nutzen.“
Da sagte Jeshua: „Verzieh dich, Satan! Im 5. Buch Mose steht: 'Du sollst niemand anderen anbeten als deinen Gott und nur ihm allein dienen.“
Jeshua schmeckte Staub auf der Zunge. Er fühlte sich schwach. Die Erscheinung war fort, doch nun hörte er Stimmen.
Gott hatte Engel gesandt. Sie führten ihn ins nächste Haus. Etwas zu essen, eine Dusche und ein weiches Bett ließen ihn wieder zu Kräften kommen. Er war jetzt soweit. Sein Werk konnte beginnen

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