Mittwoch, 14. November 2018
spätherbst
bald
wird es kalt
doch vorher
ein letztes Aufflammen noch
brennen wie...
ja wie?
wie zunder? zu altbacken
wie kerosin? zu anorganisch
wie lava? ja! wie lava!
gerade noch flüssig
und voller gluthitze
doch bald schon
kalt und erstarrt
grau und unansehnlich
zerfällt zu asche
zu humus
aus dem gänzlich neues sich erhebt
in dem wir uns
für immer aufösen

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Mittwoch, 7. November 2018
Bibelteilen mit Hiob
Ein kleines Experiment zum Predigttext für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr: Hiob 14,1-6, Übersetzung: Volxbibel.

Lesen Sie diesen Text in Ruhe und mit voller Aufmerksamkeit.

„1 Hiob sagte weiter: „Menschen werden irgendwann von einer Frau geboren, leben dann ein paar Jahre auf der Erde, und in dieser Zeit sind sie immer voll hektisch unterwegs.
2 Im Grunde ist es bei ihnen so wie mit einer Tulpe. Eben war sie noch aufgeblüht, und ein paar Stunden später ist sie schon welk, matschig und kaputt.
3 Trotzdem beobachtest du, Gott, den Menschen die ganze Zeit. Und am Ende kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, wo er von dir auch noch verurteilt wird.
4 Eigentlich hättest du doch von Anfang an schon wissen müssen, dass der Mensch es nicht packen würde. Wer von Natur aus dreckig ist, der kann auch nichts Sauberes erzeugen.
5 Die Zeit, wie lange er leben soll, hast du schon festgelegt, diesen Rahmen kann er nicht überschreiten.
6 Also lass die Menschen doch endlich in Ruhe, Gott! Dann kann er wenigstens in der Zeit feiern gehen und sein Leben genießen.“
(Vers 6 lautet bei Luther: „so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.“)

Wo bleiben Sie hängen?
Wo fühlen Sie sich besonders angesprochen oder bestätigt?
Was erzeugt Ihren deutlichen Widerspruch?
Was wirft Fragen auf oder ist unverständlich?

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Mittwoch, 31. Oktober 2018
501
Keine Schleichwerbung für US-amerikanische Drillichhosen. 501 Jahre. Nein nicht schon wieder die ultimative Luther-Lobhudelei zum Reformationsjubiläum, war ja direkt ein Overkill im vergangenen Jahr, endlich ist wieder alles normal und die Reformations-Tradition geht wieder im Halloween-Getöse unter.

Reformations-Tradition. Ist das nicht ein Antagonismus? Sowie Patriarchats-Feminismus oder Weiß-Schwärzung? Aber so machen wir Evangelen es immer noch: Liturgie, bisschen Mittelalterkitsch und das Absingen vom Luther-Schlager par excellence: Ein feste Burg.

Nein, jetzt tue ich vielen Pfarrer*innen, Gemeindepädagog*innen und Ehrenamtlichen unrecht. Gibt da viel Engagement, Neues zu probieren. Wird aber kaum registriert. Ist auch kein Wunder, denn die Kirche erneuert sich ja nicht und sie spielt auch keine Heldenrolle in diesen schrecklichen Zeiten. Na ja, schrecklich sind die Zeiten eigentlich immer.

Andererseits: Ohne die Kirchen gäbe es keinen Armutsbericht. Und viel christliches Engagement passiert leise und unbemerkt, aber hoch wirksam. Nur hilft das gegen die Despoten, die sich gerade auf der ganzen Welt ausbreiten wie Kopfläuse auf einem jungen, duftenden Haarschopf?

Vielleicht. Denn eines hilft sicher nicht: zu den Waffen greifen und Kriege erklären. Es nützt auch nichts, sich vor den Mächtigen zu fürchten und in Schockstarre zu verfallen, auch wenn man unmittelbar nichts gegen sie ausrichten kann, so klein und unbedeutend und ohnmächtig wie man da vor sich hin stoffwechselt.

Als kleines, ohnmächtiges Mäuschen kann man nur eines tun: es möglichst gut machen.
Für sich selbst und für die sorgen, die einem nahe stehen.
Die Augen auch vor dem Elend derer nicht verschließen, die einem nicht nahe stehen, denen man aber helfen kann und das dann auch tun.
Solange man eine Wahl hat, wählen gehen, selbst wenn es nur das kleinere Übel ist.
Diese Erde nicht unnötig zumüllen und ihre Geschenke nicht verschwenden. Verantwortung übernehmen, auch beim Einkaufen.
Mit anderen reden, auch wenn man sie nicht nett findet. Versuchen, sie zu verstehen und sie wenn nötig vom Gegenteil überzeugen.
Nicht aufhören, nach den richtigen Antworten zu suchen und sie dann laut aussprechen und danach handeln.
Je mehr Leute das tun, umso schwerer haben es die Demagogen und Diktatoren, die Kriegstreiber und Mörder. Und am Ende werden sie sich als das entpuppen, was sie sind: bedeutungslose Kopfläuse, gierige Parasiten. Und dann können sich Heiler daran machen, wieder das aus ihnen zu machen, was sie sie einmal waren: Menschen.

Abschließen möchte ich nun doch mit einem Zitat aus dem Jahr 1529, von Martin Luther, es ist die dritte Strophe des berühmten Reformationsliedes „Ein feste Burg ist unser Gott“:

Und wenn die Welt voll Teufel wär'
und wollt' uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es sollt' uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau'r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht':
ein Wörtlein kann ihn fällen.

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