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Samstag, 27. Oktober 2018
Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach ;-)
c. fabry, 17:04h
Dies ist der Predigttext für Sonntag, den 28.10.2018:
14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.
15 Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.
16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist.
17 So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. WOLLEN HABE ICH WOHL, ABER DAS GUTE VOLLBRINGEN KANN ICH NICHT.
19 DENN DAS GUTE, DAS ICH WILL, DAS TUE ICH NICHT; SONDERN DAS BÖSE, DAS ICH NICHT WILL, DAS TUE ICH.
20 Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
21 So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an.
22 Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen.
23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 ICH ELENDER MENSCH! WER WIRD MICH ERLÖSEN VON DIESEM LEIB DES TODES?
25 DANK SEI GOTT DURCH JESES CHRISTUS, UNSEREN HERNN!
So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.
Römer 7,14-25
Ein irritierender Text, liest sich ein bisschen so, als hätte der Verfasser bei der Niederschrift einen über den Durst getrunken, lauter Wiederholungen, die nicht wie ein Stilmittel wirken, sondern einer extremen Unkonzentriertheit geschuldet zu sein scheinen. Das ist ja nicht ehrenrührig, aber anstrengend zu lesen und schwierig zu verstehen. Hätte ich den Auftrag, den Text auf das Essentielle zusammenzuschrumpfen, käme folgendes heraus:
Es gibt gute Gesetze, die ich kenne und die mir sagen, was richtig und was falsch ist, darum kenne ich den Unterschied zwischen gut und böse. Ich will ein guter Mensch sein und das Richtige tun, aber ich tue oft das Falsche und Böse. Das liegt daran, dass das Gesetz rational und spirituell ist, ich aber ein Mensch bin, der irrationalen, körperlichen Trieben ausgeliefert ist. Ich will es ja richtig machen, aber die Sünde in mir treibt mich immer wieder in die falsche Richtung. Ich arme Wurst. Wer befreit mich aus diesem Dilemma? Jesus Christus, unser Herr. Gott sei Dank! Also dient mein Verstand nun dem Gesetz Gottes, mein Körper bleibt aber der Sünde verfallen.
114 Wörter statt 229
Wenn man Das Kapitel, dem der Predigttext für diesen Sonntag entnommen ist, von Anfang an liest, erfährt man, dass Paulus sich mit dem Gesetz, man könnte auch sagen mit christlichen Lebensregeln auseinandersetzt. Er war ja vorher auch ein religiöser Eiferer, beschreibt sein Dasein aber als das eines naiven Gesetzlosen, der nicht wusste, was er tat, der ausschließlich seinen sündhaften Trieben gehorchte. Durch das Begreifen der Sinnhaftigkeit göttlicher Gesetze wird er vom Tier zum Mensch. Der Verstand und damit der Mensch ringt nun mit dem inneren Tier, aber er gewinnt nicht immer.
Zum Beispiel?
Ich weiß nicht, welche dunkeln Geheimnisse dem Paulus auf dem Gewissen lasteten, aber ich kenne etliche aus meinem eigenen Leben:
Ich kaufe Schokolade, die nicht aus fairem Handel ist, weil ich die gerade lecker finde und die einzige fair gehandelte Sorte, die es im Supermarkt gibt, mir nicht so zusagt. (Okay, wenigstens Ferrero habe ich gestrichen, die kaufen Kakao von Unternehmen, die Kinder entführen, die sie auf ihren Plantagen zu Tode schinden.)
Ich fahre mit dem Auto, obwohl es mit dem Fahrrad locker zu schaffen wäre, aber ich habe gerade keine Lust, will Zeit sparen, es ist ein bisschen kalt und nass...
Ich heize das Haus mit einem Kaminofen, weil das so eine schöne Wärme macht, obwohl ich weiß, dass das klimaschädlicher ist als die Zentralheizung, die über eine Gastherme läuft.
Ich bade statt zu duschen, weil mich das so schön entspannt, obwohl ich doch Wasser und Energie damit verschwende.
Mit großer Freude lästere ich über die Unzulänglichkeiten, Dummheiten und Missgeschicke meiner mir unsympathischen Mitmenschen, weil es so viel Spaß macht, Dampf abzulassen und nichts verbindender ist als gemeinsame Abscheu. Dabei weiß ich, wie schlimm es ist, selbst Gegenstand solcher Lästereien zu sein.
Ich beschimpfe und demütige Menschen, die mich wütend machen, obwohl ich weiß, dass ich damit nur das Gegenteil von dem erreiche, was ich erreichen will, aber es fühlt sich so gut an, auszuteilen.
Ich finde immer wieder Ausreden, sehr kranke, mir bekannte Menschen nicht zu besuchen, weil das so viel Kraft kostet und Lebenszeit dazu, dabei weiß ich, wie wichtig es für Kranke ist, dass die Gesunden Anteil nehmen und sie mittragen.
Ich gebe dem Bettler an der Ecke nichts, weil ich gerade keine Lust habe, mein Portemonnaie rauszuholen oder weil ich schon drei anderen etwas gegeben habe, dabei weiß ich doch, wie sehr der Mensch auf Spender angewiesen ist und für mich ist es keine große Sache.
Ich lasse die Frau bei Nachtfrost auf der Parkbank liegen, ohne sie zu fragen, ob sie heute Nacht in meiner Wohnung schlafen will, damit sie nicht erfriert, weil ich keine Lust auf Besuch habe, meine Ruhe haben will, mich nicht verantwortlich fühle, Angst habe, bestohlen zu werden oder mir jemanden in die Wohnung zu holen, mit dem es dann ernste Probleme gibt. Wie scheiße bin ich eigentlich?
Ich plaudere Geheimnisse aus, weil die Geschichten mich so beschäftigen, dass ich sie unbedingt jemandem erzählen muss, obwohl ich doch weiß, wie furchtbar es ist, selbst Opfer von Indiskretionen zu sein.
Ich esse Fleisch – nicht täglich und nicht viel, aber immer noch, dazu noch nicht einmal Bio, das ist dann zu umständlich, bis zum Biohof zu fahren und ich weiß doch, dass der Fleischkonsum eine wesentliche Ursache für den weltweiten Hunger und den Klimawandel ist. Aber ich hab' Eisenmangel und es ist doch so lecker.
Jeder mag für sich diese Liste im Stillen vervollständigen und seiner Phantasie darüber freien Lauf lassen, was der Paulus wohl zu beichten hatte.
Ich mag den Paulus ja nicht, bin aber sehr überrascht, wie freimütig er zugibt, dass er das kleine Arschloch in seinem Inneren nach wie vor nicht unter Kontrolle hat. Vor allem doziert er nicht als Oberlehrer und Besserwisser, sondern legt ein öffentliches Geständnis ab, erklärt anhand seiner eigenen Unzulänglichkeit die göttliche Gnade. Ja, auch ich lasse mich zu unmoralischem Verhalten hinreißen, ich stehe nicht über euch, aber ich freue mich, euch mitteilen zu können, wir müssen alle keine Angst vor üblen Strafen haben, Jesus versteht uns, Gott liebt uns, auch wenn wir Fehler machen. Ich habe mich entschieden, immer das Richtige zu tun, aber ich muss bekennen, ich werde meinem Vorsatz nicht gerecht.
Klingt ein bisschen nach volksnahem Katholizismus: Im Karneval die Sau rauslassen, alles ficken, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und dann bekennen, okay war falsch, habe mich durch die Sünde regieren lassen, aber ist ja egal, Hauptsache, ich weiß, dass es falsch war, Jesus zieht das schon wieder glatt. Einmal Beichten, drei mal Credo, 7 Vaterunser, 10 Ave Maria und das Sündenkonto ist wieder ausgeglichen.
Hat der Verfasser sicher nicht so gemeint. Vielleicht wollte er den Gescheiterten Mut machen: Wir sind alle Opfer unserer Triebe, können nicht über unseren Schatten springen, bauen Mist, auch wenn wir wissen, dass es falsch ist. Niemand schafft es, perfekt nach christlichen Maßstäben zu leben. Jetzt aber nicht die Flinte ins Korn werfen und sagen, dann hat es wohl keinen Zweck, da kann ich auch gleich wieder zum Vollarschloch werden. Auf die Haltung kommt es an, das Gute und Richtige wenigstens zu wollen und immer wieder an sich zu arbeiten.
14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.
15 Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.
16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist.
17 So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. WOLLEN HABE ICH WOHL, ABER DAS GUTE VOLLBRINGEN KANN ICH NICHT.
19 DENN DAS GUTE, DAS ICH WILL, DAS TUE ICH NICHT; SONDERN DAS BÖSE, DAS ICH NICHT WILL, DAS TUE ICH.
20 Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
21 So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an.
22 Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen.
23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 ICH ELENDER MENSCH! WER WIRD MICH ERLÖSEN VON DIESEM LEIB DES TODES?
25 DANK SEI GOTT DURCH JESES CHRISTUS, UNSEREN HERNN!
So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.
Römer 7,14-25
Ein irritierender Text, liest sich ein bisschen so, als hätte der Verfasser bei der Niederschrift einen über den Durst getrunken, lauter Wiederholungen, die nicht wie ein Stilmittel wirken, sondern einer extremen Unkonzentriertheit geschuldet zu sein scheinen. Das ist ja nicht ehrenrührig, aber anstrengend zu lesen und schwierig zu verstehen. Hätte ich den Auftrag, den Text auf das Essentielle zusammenzuschrumpfen, käme folgendes heraus:
Es gibt gute Gesetze, die ich kenne und die mir sagen, was richtig und was falsch ist, darum kenne ich den Unterschied zwischen gut und böse. Ich will ein guter Mensch sein und das Richtige tun, aber ich tue oft das Falsche und Böse. Das liegt daran, dass das Gesetz rational und spirituell ist, ich aber ein Mensch bin, der irrationalen, körperlichen Trieben ausgeliefert ist. Ich will es ja richtig machen, aber die Sünde in mir treibt mich immer wieder in die falsche Richtung. Ich arme Wurst. Wer befreit mich aus diesem Dilemma? Jesus Christus, unser Herr. Gott sei Dank! Also dient mein Verstand nun dem Gesetz Gottes, mein Körper bleibt aber der Sünde verfallen.
114 Wörter statt 229
Wenn man Das Kapitel, dem der Predigttext für diesen Sonntag entnommen ist, von Anfang an liest, erfährt man, dass Paulus sich mit dem Gesetz, man könnte auch sagen mit christlichen Lebensregeln auseinandersetzt. Er war ja vorher auch ein religiöser Eiferer, beschreibt sein Dasein aber als das eines naiven Gesetzlosen, der nicht wusste, was er tat, der ausschließlich seinen sündhaften Trieben gehorchte. Durch das Begreifen der Sinnhaftigkeit göttlicher Gesetze wird er vom Tier zum Mensch. Der Verstand und damit der Mensch ringt nun mit dem inneren Tier, aber er gewinnt nicht immer.
Zum Beispiel?
Ich weiß nicht, welche dunkeln Geheimnisse dem Paulus auf dem Gewissen lasteten, aber ich kenne etliche aus meinem eigenen Leben:
Ich kaufe Schokolade, die nicht aus fairem Handel ist, weil ich die gerade lecker finde und die einzige fair gehandelte Sorte, die es im Supermarkt gibt, mir nicht so zusagt. (Okay, wenigstens Ferrero habe ich gestrichen, die kaufen Kakao von Unternehmen, die Kinder entführen, die sie auf ihren Plantagen zu Tode schinden.)
Ich fahre mit dem Auto, obwohl es mit dem Fahrrad locker zu schaffen wäre, aber ich habe gerade keine Lust, will Zeit sparen, es ist ein bisschen kalt und nass...
Ich heize das Haus mit einem Kaminofen, weil das so eine schöne Wärme macht, obwohl ich weiß, dass das klimaschädlicher ist als die Zentralheizung, die über eine Gastherme läuft.
Ich bade statt zu duschen, weil mich das so schön entspannt, obwohl ich doch Wasser und Energie damit verschwende.
Mit großer Freude lästere ich über die Unzulänglichkeiten, Dummheiten und Missgeschicke meiner mir unsympathischen Mitmenschen, weil es so viel Spaß macht, Dampf abzulassen und nichts verbindender ist als gemeinsame Abscheu. Dabei weiß ich, wie schlimm es ist, selbst Gegenstand solcher Lästereien zu sein.
Ich beschimpfe und demütige Menschen, die mich wütend machen, obwohl ich weiß, dass ich damit nur das Gegenteil von dem erreiche, was ich erreichen will, aber es fühlt sich so gut an, auszuteilen.
Ich finde immer wieder Ausreden, sehr kranke, mir bekannte Menschen nicht zu besuchen, weil das so viel Kraft kostet und Lebenszeit dazu, dabei weiß ich, wie wichtig es für Kranke ist, dass die Gesunden Anteil nehmen und sie mittragen.
Ich gebe dem Bettler an der Ecke nichts, weil ich gerade keine Lust habe, mein Portemonnaie rauszuholen oder weil ich schon drei anderen etwas gegeben habe, dabei weiß ich doch, wie sehr der Mensch auf Spender angewiesen ist und für mich ist es keine große Sache.
Ich lasse die Frau bei Nachtfrost auf der Parkbank liegen, ohne sie zu fragen, ob sie heute Nacht in meiner Wohnung schlafen will, damit sie nicht erfriert, weil ich keine Lust auf Besuch habe, meine Ruhe haben will, mich nicht verantwortlich fühle, Angst habe, bestohlen zu werden oder mir jemanden in die Wohnung zu holen, mit dem es dann ernste Probleme gibt. Wie scheiße bin ich eigentlich?
Ich plaudere Geheimnisse aus, weil die Geschichten mich so beschäftigen, dass ich sie unbedingt jemandem erzählen muss, obwohl ich doch weiß, wie furchtbar es ist, selbst Opfer von Indiskretionen zu sein.
Ich esse Fleisch – nicht täglich und nicht viel, aber immer noch, dazu noch nicht einmal Bio, das ist dann zu umständlich, bis zum Biohof zu fahren und ich weiß doch, dass der Fleischkonsum eine wesentliche Ursache für den weltweiten Hunger und den Klimawandel ist. Aber ich hab' Eisenmangel und es ist doch so lecker.
Jeder mag für sich diese Liste im Stillen vervollständigen und seiner Phantasie darüber freien Lauf lassen, was der Paulus wohl zu beichten hatte.
Ich mag den Paulus ja nicht, bin aber sehr überrascht, wie freimütig er zugibt, dass er das kleine Arschloch in seinem Inneren nach wie vor nicht unter Kontrolle hat. Vor allem doziert er nicht als Oberlehrer und Besserwisser, sondern legt ein öffentliches Geständnis ab, erklärt anhand seiner eigenen Unzulänglichkeit die göttliche Gnade. Ja, auch ich lasse mich zu unmoralischem Verhalten hinreißen, ich stehe nicht über euch, aber ich freue mich, euch mitteilen zu können, wir müssen alle keine Angst vor üblen Strafen haben, Jesus versteht uns, Gott liebt uns, auch wenn wir Fehler machen. Ich habe mich entschieden, immer das Richtige zu tun, aber ich muss bekennen, ich werde meinem Vorsatz nicht gerecht.
Klingt ein bisschen nach volksnahem Katholizismus: Im Karneval die Sau rauslassen, alles ficken, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und dann bekennen, okay war falsch, habe mich durch die Sünde regieren lassen, aber ist ja egal, Hauptsache, ich weiß, dass es falsch war, Jesus zieht das schon wieder glatt. Einmal Beichten, drei mal Credo, 7 Vaterunser, 10 Ave Maria und das Sündenkonto ist wieder ausgeglichen.
Hat der Verfasser sicher nicht so gemeint. Vielleicht wollte er den Gescheiterten Mut machen: Wir sind alle Opfer unserer Triebe, können nicht über unseren Schatten springen, bauen Mist, auch wenn wir wissen, dass es falsch ist. Niemand schafft es, perfekt nach christlichen Maßstäben zu leben. Jetzt aber nicht die Flinte ins Korn werfen und sagen, dann hat es wohl keinen Zweck, da kann ich auch gleich wieder zum Vollarschloch werden. Auf die Haltung kommt es an, das Gute und Richtige wenigstens zu wollen und immer wieder an sich zu arbeiten.
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Sonntag, 14. Oktober 2018
Und wofür sind Sie dankbar?
c. fabry, 11:28h
Am vergangenen Sonntag feierten Christen das Erntedankfest, ursprünglich ging es dabei vor allem um das Existenzielle, die Dankbarkeit, dass es etwas zu Ernten gegeben hatte, die Vorräte endlich wieder aufgefüllt und der Hunger erst einmal kein Thema mehr war.
In den westlichen Industrienationen erfährt Nahrung keine große Wertschätzung, denn sie ist reichlich vorhanden. Trotzdem ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass das keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, genauso wenig wie so viele andere Dinge im Leben.
Ich bin dankbar für meine Familie, meine Haustiere, dass ich in einem schönen Haus wohnen darf und viel Platz habe, bin dankbar für meinen unbefristeten Job, der mir auch noch Spaß macht, wo ich immer wieder interessante und nette Menschen treffe, die mich auch für die entschädigen, die ich nicht ausstehen kann und die an meinen Nerven zerren. Ich bin dankbar dafür, dass ich weitestgehend gesund bin, für den blauen Himmel und das Vertrauen, dass auch wieder Regen fallen wird (auch wenn es in diesem Jahr alarmierend wenig war). Für den Wechsel der Jahreszeiten und all die guten und spannenden Erfahrungen in meinem Leben, entspannte, aber auch spektakuläre Urlaube. Ich bin dankbar, dass ich in einer Demokratie leben darf und in einem Land, das wirtschaftlich stark ist, auch wenn ich oft ein schlechtes Gewissen habe, dass das auf Kosten Anderer geht. Ich bin dankbar für fließend warm Wasser, das auch noch trinkbar und sauber ist und dass ich immer genug zu heizen habe. Und für die Kleidung. Und für all die Menschen, die ich liebe.
Und Sie oder Ihr?
In den westlichen Industrienationen erfährt Nahrung keine große Wertschätzung, denn sie ist reichlich vorhanden. Trotzdem ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass das keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, genauso wenig wie so viele andere Dinge im Leben.
Ich bin dankbar für meine Familie, meine Haustiere, dass ich in einem schönen Haus wohnen darf und viel Platz habe, bin dankbar für meinen unbefristeten Job, der mir auch noch Spaß macht, wo ich immer wieder interessante und nette Menschen treffe, die mich auch für die entschädigen, die ich nicht ausstehen kann und die an meinen Nerven zerren. Ich bin dankbar dafür, dass ich weitestgehend gesund bin, für den blauen Himmel und das Vertrauen, dass auch wieder Regen fallen wird (auch wenn es in diesem Jahr alarmierend wenig war). Für den Wechsel der Jahreszeiten und all die guten und spannenden Erfahrungen in meinem Leben, entspannte, aber auch spektakuläre Urlaube. Ich bin dankbar, dass ich in einer Demokratie leben darf und in einem Land, das wirtschaftlich stark ist, auch wenn ich oft ein schlechtes Gewissen habe, dass das auf Kosten Anderer geht. Ich bin dankbar für fließend warm Wasser, das auch noch trinkbar und sauber ist und dass ich immer genug zu heizen habe. Und für die Kleidung. Und für all die Menschen, die ich liebe.
Und Sie oder Ihr?
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Sonntag, 7. Oktober 2018
Liebe
c. fabry, 01:11h
"Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, dass ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt."
Lesung Hoheslied 8, 4
Sonja kriegt immer rote Ohren, wenn Louis sie angrinst. Luna findet, es ist Zeit, den beiden auf die Sprünge zu helfen und Louis zu stecken, dass Sonja auf ihn steht, damit er mal was macht.
Johann verbringt gern viel Zeit mit Max. Manchmal fragt er sich, ob er sich nicht doch eher zu Männern hingezogen fühlt als zu Frauen, aber er hat überhaupt keine Ahnung, wie das bei Max ist, darum ist er auch ziemlich pissig, wenn jemand von außen Witze macht, dass die beiden wie ein schwules Pärchen rüber kommen.
Janine ist schon lange scharf auch Lukas, aber sie ist sehr vorsichtig und lässt es ganz langsam angehen. Nach einem halben Jahr tut sie einen mutigen Schritt, sie lädt ihn zum Geburtstag ein und er sagt zu. Zwei Tage später erzählt ihr eine Freundin, dass eine andere Freundin Lukas anvertraut hat, Janines Geburtstagsparty werde sterbenslangweilig und sie gehe auch nur da hin, weil sie sie so lange kenne und nicht verletzen wolle.
Karsten hatte noch nie eine Freundin, seine Kumpels sind alle schon lange in festen Händen. Adrian organisiert einen lustigen Abend zu viert: Karsten, Adrian, Adrians Freundin und eine Freundin der Freundin, die noch Single ist.
Sabrina und Carina sind unzertrennliche Freundinnen – seit kurzem sind sie auch ein Liebespaar, möchten das aber noch nicht an die große Glocke hängen. Nun hat Irina sie aber beim Küssen beobachtet und erzählt das überall rum.
Obwohl Niklas und Anna-Lena kein Paar sind, machen sie oft etwas zusammen, so oft, dass es allen auffällt. Ständig müssen sie sich zweideutige Bemerkungen anhören und scheele Blicke ertragen.
Wie steht ihr zu diesem Vers, der sagt, dass man die Liebe weder aufwecken noch stören soll, bis es ihr selbst gefällt? Könnt Ihr damit etwas anfangen? Mir fällt dazu ein Bild von einem zarten Pflänzchen ein. Die allzu Eifrigen, die den vermeintlich bei der Liebe zu langsam Vorgehenden auf die Sprünge helfen wollen, wirken wie zu viel Dünger, das zarte Pflänzchen kann das gar nicht verarbeiten und verbrennt. Die Spötter und Lästerer, die sich nicht raushalten können, ihre Beobachtungen unbedingt rausschreien müssen, um sich überlegen zu fühlen, sind wie achtlose Tölpel, die einfach alles platt trampeln. Das Pflänzchen wird zerdrückt oder geknickt und stirbt.
Ich habe dazu dieses Gebet formuliert:
Gott, unser Schöpfer und Begleiter,
wir danken Dir, dass Du uns die Liebe gegeben hast,
sie macht unser Leben reich, aufregend, warm und fröhlich.
Manchmal ist die Liebe auch eine schmerzliche Erfahrung,
dann würden wir gern auf sie verzichten.
Obwohl wir wissen, wie stark das Gefühl der Liebe sein kann,
nehmen wir sie bei anderen Menschen oft nicht ernst,
lachen sie aus, demütigen und verletzen sie.
Gib uns gegenüber anderen die Feinfühligkeit, die wir selbst erleben möchten.
Schenk uns und allen Menschen ein Leben voll von Liebe,
voll von guten und auch schwierigen Erfahrungen,
so dass wir am Ende unseres Lebens sagen können,
dass die Liebe unser Leben erfüllt hat.
Amen
Lesung Hoheslied 8, 4
Sonja kriegt immer rote Ohren, wenn Louis sie angrinst. Luna findet, es ist Zeit, den beiden auf die Sprünge zu helfen und Louis zu stecken, dass Sonja auf ihn steht, damit er mal was macht.
Johann verbringt gern viel Zeit mit Max. Manchmal fragt er sich, ob er sich nicht doch eher zu Männern hingezogen fühlt als zu Frauen, aber er hat überhaupt keine Ahnung, wie das bei Max ist, darum ist er auch ziemlich pissig, wenn jemand von außen Witze macht, dass die beiden wie ein schwules Pärchen rüber kommen.
Janine ist schon lange scharf auch Lukas, aber sie ist sehr vorsichtig und lässt es ganz langsam angehen. Nach einem halben Jahr tut sie einen mutigen Schritt, sie lädt ihn zum Geburtstag ein und er sagt zu. Zwei Tage später erzählt ihr eine Freundin, dass eine andere Freundin Lukas anvertraut hat, Janines Geburtstagsparty werde sterbenslangweilig und sie gehe auch nur da hin, weil sie sie so lange kenne und nicht verletzen wolle.
Karsten hatte noch nie eine Freundin, seine Kumpels sind alle schon lange in festen Händen. Adrian organisiert einen lustigen Abend zu viert: Karsten, Adrian, Adrians Freundin und eine Freundin der Freundin, die noch Single ist.
Sabrina und Carina sind unzertrennliche Freundinnen – seit kurzem sind sie auch ein Liebespaar, möchten das aber noch nicht an die große Glocke hängen. Nun hat Irina sie aber beim Küssen beobachtet und erzählt das überall rum.
Obwohl Niklas und Anna-Lena kein Paar sind, machen sie oft etwas zusammen, so oft, dass es allen auffällt. Ständig müssen sie sich zweideutige Bemerkungen anhören und scheele Blicke ertragen.
Wie steht ihr zu diesem Vers, der sagt, dass man die Liebe weder aufwecken noch stören soll, bis es ihr selbst gefällt? Könnt Ihr damit etwas anfangen? Mir fällt dazu ein Bild von einem zarten Pflänzchen ein. Die allzu Eifrigen, die den vermeintlich bei der Liebe zu langsam Vorgehenden auf die Sprünge helfen wollen, wirken wie zu viel Dünger, das zarte Pflänzchen kann das gar nicht verarbeiten und verbrennt. Die Spötter und Lästerer, die sich nicht raushalten können, ihre Beobachtungen unbedingt rausschreien müssen, um sich überlegen zu fühlen, sind wie achtlose Tölpel, die einfach alles platt trampeln. Das Pflänzchen wird zerdrückt oder geknickt und stirbt.
Ich habe dazu dieses Gebet formuliert:
Gott, unser Schöpfer und Begleiter,
wir danken Dir, dass Du uns die Liebe gegeben hast,
sie macht unser Leben reich, aufregend, warm und fröhlich.
Manchmal ist die Liebe auch eine schmerzliche Erfahrung,
dann würden wir gern auf sie verzichten.
Obwohl wir wissen, wie stark das Gefühl der Liebe sein kann,
nehmen wir sie bei anderen Menschen oft nicht ernst,
lachen sie aus, demütigen und verletzen sie.
Gib uns gegenüber anderen die Feinfühligkeit, die wir selbst erleben möchten.
Schenk uns und allen Menschen ein Leben voll von Liebe,
voll von guten und auch schwierigen Erfahrungen,
so dass wir am Ende unseres Lebens sagen können,
dass die Liebe unser Leben erfüllt hat.
Amen
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