Freitag, 14. August 2026
Wird Denken zu anstrengend? - unfertige Gedanken ohne den Anspruch auf Unanfechtbarkeit
c. fabry, 18:38h
Es gibt keine Zwischentöne mehr – nur noch schwarz oder weiß, dafür oder dagegen, für die einen oder für die anderen.
Ich gebe den kurzlebigen sozialen Medien und der heruntergefahrenen Aufmerksamkeitsspanne die Schuld. Aber ich bin auch alt und unflexibel.Doch welche Erklärung gibt es sonst für dieses unreflektierte, turbomäßige Einsortieren in Schubladen in denen dann einmal Eingeordnetes gefälligst zu bleiben hat?
Ich nenne drei konkrete Beispiele, an denen deutlich wird, was ich meine.
1. Der Palästina-Israel-Konflikt
Da gibt es die einen, die in ihrer – berechtigten – Kritik an der Politik der israelischen Regierung so weit gehen, Menschen dafür in Sippenhaft zu nehmen, die gar nichts damit zu tun haben. Jüdische Menschen, die in Israel nicht einmal gewählt haben, Israelis, die die Regierung Nentanjahu vermutlich gar nicht unterstützen. Und dann werden womöglich die Verbrechen der Hamas verharmlost als notwendige Reaktion auf die jahrzehntelange Unterdrückung.
Die anderen verlangen uneingeschränkte Solidarität mit dem Staat Israel. Egal, was diese Regierung verbricht. Und eine Eva Menasse, die selbst jüdische Wurzeln hat, wird von diesen Menschen verdammt, weil sie sagt, dass es kein Antisemitismus sei, wenn man das Existenzrecht des Staats Israel anzweifelt. So als würde der Opferstatus einer von sexualisierter Gewalt betroffenen Person rechtfertigen, dass sie selbst zur Tatperson wird.
Das ist alles so undifferenziert, trägt der Komplexität des Konfliktes nicht im Mindesten Rechnung. Dabei gibt es viel Leid und Unrecht auf beiden Seiten, so wie es auch auf beiden Seiten viele Menschen gibt die um Versöhnung und Frieden ringen. Statt die zu unterstützen, werden jene unterstützt, die den Konflikt am Kochen halten.
2. Migrationspolitik
Da sind die Extremisten, die Menschen mit Migrationshintergrund die Schuld geben an diversen Missständen. Wenn ein marokkanischer Clan ein Stadtviertel unsicher macht, müssen gleich alle Marokkaner das Land verlassen. Wenn eine Moschee-Gemeinde als salafistisch entlarvt wird, will man alles Moscheen schließen usw. Ein kleiner Prozentsatz, der zu einer Gruppe gehört, die einem fremd ist, die man nicht versteht, begeht Fehler und gleich soll die ganze Gruppe verschwinden. Damit man sich mit dem Problem nicht mehr befassen muss.
Dann sind da die besonders sensiblen, die sofort in maximale Empörung verfallen, wenn eine Problem mit einer bestimmten Personengruppe beispielsweise in einem Stadtteil angesprochen wird. Sofort werden die Menschen, die sich beklagen, als Rassisten bezeichnet. Vielleicht sind ihre Formulierungen nicht lupenrein, vielleicht ist ihre Kritik nicht perfekt durchdacht. Aber es ist doch schlimm, wenn man Angst vor Übergriffen haben muss, wenn dominantes Platzhirschverhalten alle anderen von bestimmten Plätzen verdrängt, wenn Frauen verachtet werden und Menschen, die nicht in das eigene Weltbild passen, verhöhnt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen werden.
3. Catcalling
Verstehen Sie mich nicht falsch. Abfällige Kommentare über den Körper sind unerträglich. Scheinbar wertschätzende Bemerkungen mit eindeutig sexualisiertem Inhalt, in dem die betroffene Person entpersonalisiert und zur Ware degradiert wird, die zu besitzen man begehrt, sind widerwärtig und unter Umständen bedrohlich und darum abzulehnen.
Schnell wird daraus aber eine generelle Ablehnung des Flirts auf der Straße, des Verteilens von Komplimenten, die sich auch mal nur auf die Attraktivität das Körpers beziehen. Warum eigentlich nicht? Was ist schlimm daran zu hören, man sehe schön aus oder habe tolle Beine oder besonders eindrucksvolles Haar? Selbst wenn jemand damit signalisiert, dass er Interesse hat, sich zu paaren...irgendwie müssen die Menschen ja einmal zur Sache kommen. :-)
Zugegeben, es ist äußerst diffizil – wo endet das aufbauende Kompliment und wo beginnt der Übergriff? Jeder Mensch empfindet das anders. Während ich mich königlich amüsierte, wenn mir im Italien-Urlaub fremde Männer eine flirtendes „Ciao“ hinterher riefen und ich es gleichermaßen erwiderte, aber auch unbehelligt weiter ging, hatte meine mexikanische Weggefährtin große Angst, im nächsten Moment verfolgt zu werden. Sie kam aus einem Kulturkreis, in dem ihr das vermutlich passiert wäre. Und das ist sehr schlimm.
Nur dieses – ach es ist so kompliziert – da stellen wir es am besten komplett unter Strafe, erscheint mir so unendlich dumm und macht unser Miteinander ärmer, langweiliger und liebloser. Geradezu blutleer und seelenlos.
Jesus von Nazareth wird folgende Äußerung zugeschrieben:
„Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. 12Denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.“
(Matthäus 19)
Auch hier geht es um Zwischentöne, Uneindeutigkeit und die Unfähigkeit vieler, dies auszuhalten. Ich wünsche mir eine bunter Welt, in der es das, was es gibt geben darf, solange es die Grenzen anderer nicht verletzt, in der Menschen diese Grenzen respektvoll miteinander aushandeln und dann auch einhalten
Aber vielleicht bin ich auf nur zu alt und verstehe das alles einfach nicht mehr. Wie denken Sie darüber?
https://cristinafabry.blogger.de/stories/2917752/
Ich gebe den kurzlebigen sozialen Medien und der heruntergefahrenen Aufmerksamkeitsspanne die Schuld. Aber ich bin auch alt und unflexibel.Doch welche Erklärung gibt es sonst für dieses unreflektierte, turbomäßige Einsortieren in Schubladen in denen dann einmal Eingeordnetes gefälligst zu bleiben hat?
Ich nenne drei konkrete Beispiele, an denen deutlich wird, was ich meine.
1. Der Palästina-Israel-Konflikt
Da gibt es die einen, die in ihrer – berechtigten – Kritik an der Politik der israelischen Regierung so weit gehen, Menschen dafür in Sippenhaft zu nehmen, die gar nichts damit zu tun haben. Jüdische Menschen, die in Israel nicht einmal gewählt haben, Israelis, die die Regierung Nentanjahu vermutlich gar nicht unterstützen. Und dann werden womöglich die Verbrechen der Hamas verharmlost als notwendige Reaktion auf die jahrzehntelange Unterdrückung.
Die anderen verlangen uneingeschränkte Solidarität mit dem Staat Israel. Egal, was diese Regierung verbricht. Und eine Eva Menasse, die selbst jüdische Wurzeln hat, wird von diesen Menschen verdammt, weil sie sagt, dass es kein Antisemitismus sei, wenn man das Existenzrecht des Staats Israel anzweifelt. So als würde der Opferstatus einer von sexualisierter Gewalt betroffenen Person rechtfertigen, dass sie selbst zur Tatperson wird.
Das ist alles so undifferenziert, trägt der Komplexität des Konfliktes nicht im Mindesten Rechnung. Dabei gibt es viel Leid und Unrecht auf beiden Seiten, so wie es auch auf beiden Seiten viele Menschen gibt die um Versöhnung und Frieden ringen. Statt die zu unterstützen, werden jene unterstützt, die den Konflikt am Kochen halten.
2. Migrationspolitik
Da sind die Extremisten, die Menschen mit Migrationshintergrund die Schuld geben an diversen Missständen. Wenn ein marokkanischer Clan ein Stadtviertel unsicher macht, müssen gleich alle Marokkaner das Land verlassen. Wenn eine Moschee-Gemeinde als salafistisch entlarvt wird, will man alles Moscheen schließen usw. Ein kleiner Prozentsatz, der zu einer Gruppe gehört, die einem fremd ist, die man nicht versteht, begeht Fehler und gleich soll die ganze Gruppe verschwinden. Damit man sich mit dem Problem nicht mehr befassen muss.
Dann sind da die besonders sensiblen, die sofort in maximale Empörung verfallen, wenn eine Problem mit einer bestimmten Personengruppe beispielsweise in einem Stadtteil angesprochen wird. Sofort werden die Menschen, die sich beklagen, als Rassisten bezeichnet. Vielleicht sind ihre Formulierungen nicht lupenrein, vielleicht ist ihre Kritik nicht perfekt durchdacht. Aber es ist doch schlimm, wenn man Angst vor Übergriffen haben muss, wenn dominantes Platzhirschverhalten alle anderen von bestimmten Plätzen verdrängt, wenn Frauen verachtet werden und Menschen, die nicht in das eigene Weltbild passen, verhöhnt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen werden.
3. Catcalling
Verstehen Sie mich nicht falsch. Abfällige Kommentare über den Körper sind unerträglich. Scheinbar wertschätzende Bemerkungen mit eindeutig sexualisiertem Inhalt, in dem die betroffene Person entpersonalisiert und zur Ware degradiert wird, die zu besitzen man begehrt, sind widerwärtig und unter Umständen bedrohlich und darum abzulehnen.
Schnell wird daraus aber eine generelle Ablehnung des Flirts auf der Straße, des Verteilens von Komplimenten, die sich auch mal nur auf die Attraktivität das Körpers beziehen. Warum eigentlich nicht? Was ist schlimm daran zu hören, man sehe schön aus oder habe tolle Beine oder besonders eindrucksvolles Haar? Selbst wenn jemand damit signalisiert, dass er Interesse hat, sich zu paaren...irgendwie müssen die Menschen ja einmal zur Sache kommen. :-)
Zugegeben, es ist äußerst diffizil – wo endet das aufbauende Kompliment und wo beginnt der Übergriff? Jeder Mensch empfindet das anders. Während ich mich königlich amüsierte, wenn mir im Italien-Urlaub fremde Männer eine flirtendes „Ciao“ hinterher riefen und ich es gleichermaßen erwiderte, aber auch unbehelligt weiter ging, hatte meine mexikanische Weggefährtin große Angst, im nächsten Moment verfolgt zu werden. Sie kam aus einem Kulturkreis, in dem ihr das vermutlich passiert wäre. Und das ist sehr schlimm.
Nur dieses – ach es ist so kompliziert – da stellen wir es am besten komplett unter Strafe, erscheint mir so unendlich dumm und macht unser Miteinander ärmer, langweiliger und liebloser. Geradezu blutleer und seelenlos.
Jesus von Nazareth wird folgende Äußerung zugeschrieben:
„Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. 12Denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.“
(Matthäus 19)
Auch hier geht es um Zwischentöne, Uneindeutigkeit und die Unfähigkeit vieler, dies auszuhalten. Ich wünsche mir eine bunter Welt, in der es das, was es gibt geben darf, solange es die Grenzen anderer nicht verletzt, in der Menschen diese Grenzen respektvoll miteinander aushandeln und dann auch einhalten
Aber vielleicht bin ich auf nur zu alt und verstehe das alles einfach nicht mehr. Wie denken Sie darüber?
https://cristinafabry.blogger.de/stories/2917752/
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