Freitag, 31. Juli 2026
Ist christlicher Populismus gefährlich?
c. fabry, 19:11h
Lange habe ich nichts von mir hören lassen, weil meine Arbeit mein gesamte Energie aufbraucht. So geht es sicher vielen.
Nun gibt es aber eine Sache, die mir schon seit längerer Zeit keine Ruhe lässt.
Es gibt eine neue Generation von Theolog*innen und gemeindepädagogischen Fachkräften in der Evangelischen Kirche, die vermehrt auf gefühlsbetonte Lobpreis-Spiritualität setzen. Sie beteuern zwar, dass evangelikale Theologie ihnen fern liege, sie seien durchaus historisch-kritisch unterwegs und keineswegs verbalinspiriert, aber man müsse die Menschen ja schließlich irgendwie gewinnen.
Die Argumentation ploppt auf, wenn man darüber spricht, dass in Gottesdiensten nur noch weißhäuptige Gemeindeglieder sitzen und sogar die neuen Silberrücken nur sehr vereinzelt am Gemeindeleben teilnehmen und auch im Alter von 60 Jahren eher die Küken sind. Es steht zu befürchten, dass die Kirche einfach still dahinstirbt und endgültig verschwindet.
Dem will die neue Generation mit bahnbrechenden Methoden entgegenwirken. Ihre Argumentation:
Den evangelikalen Freikirchen rennen die Leute die Bude ein, weil sie Emotionen ansprechen. Stimmungsvolle Lobpreisgesänge bieten den Menschen genau die Spiritualität, nach der sie sie sich sehnen. Also singen wir einfach auch diese Lieder, verbreiten in unseren Gottesdiensten jedoch andere Inhalte. Und schwupps, sind unsere Kirchen wieder voll.
Das mit den anderen Inhalten erscheint mir jedoch fragwürdig, wenn ein Pfarrer sagt, es gebe ja schon die EINE Wahrheit. Wenn er Liedtexte okay findet, mit Zeilen wie :
„Nothing can stand against the power of our God
You shine in the shadows, You win every battle
Nothing can stand against the power of our God
So when I fight, I'll fight on my knees
With my hands lifted high
Oh God, the battle belongs to You“
(Aus dem Worship-Song „Battle Belongs“ von Brian Johnson / Phil Wickham )
Da hat man dann etwas nicht richtig verstanden, wenn man kritisiert, dass martialische, militärische Sprache in einem Glaubenslied etwas deplatziert wirkt, dass es seltsam ist, die Hände zu falten und darauf zu setzen, dass Gott schon alles für einen regelt, ob man das auch den Menschen in der Ukraine erzählen will und wie man eigentlich so sicher sein kann, dass der Gott der Christ*innen und Juden/Jüdinnen der einzig Wahre ist und jede Schlacht gewinnt. Ob man da nicht vielleicht die Bildung von Feindbildern fördert usw.
Am Ende denke ich, dass diese neokonservativen Theolog*innen den gleichen Weg gehen wie die CDU im Umgang mit der AfD: wie besetzen die polulären Themen und dann kommen die Leute zu uns.
Und wie die CDU werden sie scheitern, weil die Menschen immer dem Original den Vorzug geben. Nur bestätigen sie die evangelikalen Strömungen damit, normalisieren das religionsbesoffene Lobpreis-Gesäusel und am Ende stirbt die demokratisch verfasste Kirche dann endgültig.
Ich hoffe, ich stehe mit meinem leisen Widerstand nicht allein. (Für Lautstärke fehlt mir die Kraft und ich halte mich auch nicht für die hellste Kerze auf der Torte)
Ich erzähle Kindern und Jugendlichen, dass es keine allgemeingültige Wahrheit gibt, nur Glaube.
Das jede Religion eine eigene Kultur ist, sich mit Gott zu verbinden und dass keine davon richtiger ist als alle anderen. Dass jeder Mensch selbst entscheiden muss. Dass ich es für wichtig halte, sich als Teil eines großen Zusammenhangs zu sehen, wo man eine Aufgabe hat, wo man aber auch behütet ist und ein Recht hat auf Respekt, Liebe und Anerkennung. Dass das mit der Auferstehung vielleicht nur eine Metapher ist, dass es aber okay ist, daran zu glauben, aber eben nicht falsch, es nicht zu tun usw.
Ich hoffe, meine Impfung wirkt und ich hoffe, dass viele in meinem Berufsstand und im Ehrenamt es auch so halten. Lasst Euch vom evangelikalen Populismus nicht überrollen! Wir wollen uns unsere aufgeklärte, kritische, partizipative und demokratische Kirche nicht wegnehmen lassen.
Amen.
Nun gibt es aber eine Sache, die mir schon seit längerer Zeit keine Ruhe lässt.
Es gibt eine neue Generation von Theolog*innen und gemeindepädagogischen Fachkräften in der Evangelischen Kirche, die vermehrt auf gefühlsbetonte Lobpreis-Spiritualität setzen. Sie beteuern zwar, dass evangelikale Theologie ihnen fern liege, sie seien durchaus historisch-kritisch unterwegs und keineswegs verbalinspiriert, aber man müsse die Menschen ja schließlich irgendwie gewinnen.
Die Argumentation ploppt auf, wenn man darüber spricht, dass in Gottesdiensten nur noch weißhäuptige Gemeindeglieder sitzen und sogar die neuen Silberrücken nur sehr vereinzelt am Gemeindeleben teilnehmen und auch im Alter von 60 Jahren eher die Küken sind. Es steht zu befürchten, dass die Kirche einfach still dahinstirbt und endgültig verschwindet.
Dem will die neue Generation mit bahnbrechenden Methoden entgegenwirken. Ihre Argumentation:
Den evangelikalen Freikirchen rennen die Leute die Bude ein, weil sie Emotionen ansprechen. Stimmungsvolle Lobpreisgesänge bieten den Menschen genau die Spiritualität, nach der sie sie sich sehnen. Also singen wir einfach auch diese Lieder, verbreiten in unseren Gottesdiensten jedoch andere Inhalte. Und schwupps, sind unsere Kirchen wieder voll.
Das mit den anderen Inhalten erscheint mir jedoch fragwürdig, wenn ein Pfarrer sagt, es gebe ja schon die EINE Wahrheit. Wenn er Liedtexte okay findet, mit Zeilen wie :
„Nothing can stand against the power of our God
You shine in the shadows, You win every battle
Nothing can stand against the power of our God
So when I fight, I'll fight on my knees
With my hands lifted high
Oh God, the battle belongs to You“
(Aus dem Worship-Song „Battle Belongs“ von Brian Johnson / Phil Wickham )
Da hat man dann etwas nicht richtig verstanden, wenn man kritisiert, dass martialische, militärische Sprache in einem Glaubenslied etwas deplatziert wirkt, dass es seltsam ist, die Hände zu falten und darauf zu setzen, dass Gott schon alles für einen regelt, ob man das auch den Menschen in der Ukraine erzählen will und wie man eigentlich so sicher sein kann, dass der Gott der Christ*innen und Juden/Jüdinnen der einzig Wahre ist und jede Schlacht gewinnt. Ob man da nicht vielleicht die Bildung von Feindbildern fördert usw.
Am Ende denke ich, dass diese neokonservativen Theolog*innen den gleichen Weg gehen wie die CDU im Umgang mit der AfD: wie besetzen die polulären Themen und dann kommen die Leute zu uns.
Und wie die CDU werden sie scheitern, weil die Menschen immer dem Original den Vorzug geben. Nur bestätigen sie die evangelikalen Strömungen damit, normalisieren das religionsbesoffene Lobpreis-Gesäusel und am Ende stirbt die demokratisch verfasste Kirche dann endgültig.
Ich hoffe, ich stehe mit meinem leisen Widerstand nicht allein. (Für Lautstärke fehlt mir die Kraft und ich halte mich auch nicht für die hellste Kerze auf der Torte)
Ich erzähle Kindern und Jugendlichen, dass es keine allgemeingültige Wahrheit gibt, nur Glaube.
Das jede Religion eine eigene Kultur ist, sich mit Gott zu verbinden und dass keine davon richtiger ist als alle anderen. Dass jeder Mensch selbst entscheiden muss. Dass ich es für wichtig halte, sich als Teil eines großen Zusammenhangs zu sehen, wo man eine Aufgabe hat, wo man aber auch behütet ist und ein Recht hat auf Respekt, Liebe und Anerkennung. Dass das mit der Auferstehung vielleicht nur eine Metapher ist, dass es aber okay ist, daran zu glauben, aber eben nicht falsch, es nicht zu tun usw.
Ich hoffe, meine Impfung wirkt und ich hoffe, dass viele in meinem Berufsstand und im Ehrenamt es auch so halten. Lasst Euch vom evangelikalen Populismus nicht überrollen! Wir wollen uns unsere aufgeklärte, kritische, partizipative und demokratische Kirche nicht wegnehmen lassen.
Amen.
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Sonntag, 5. April 2026
Auferstanden? Echt jetzt?
c. fabry, 00:53h
Glauben Sie, dass die biblische Geschichte von Jesu Auerstehung sich so zugetragen hat? Also erwiesener Exitus, Ca. 36 Stunden Verwesung und dann erneuter Stoffwechsel?
Viele meiner Mitchrist*innen fänden es ungeheuerlich, wenn ich bekenne, dass ich das nicht glauben will, weil es meiner Meinung nach nicht das ist, um das es geht. Denn was hat es für einen Nutzen, dass der Religionsgründer wieder atmen, reden, laufen konnte und dann doch für immer verschwand?
Ich lese gerade "Klasse" von Hanno Sauer, der zu diesem Kontext einen interessanten Gedanken entfaltet hat:
Der berühmte Ostergruß "Er ist wahrhaftig auferstanden!" stellt aus seiner Sicht den Abbruch der Brücke zu all denen dar, die nicht der christlichen Gemeinschaft angehören, weil hier etwas allgemeingültig Unmögliches als wahr konstatiert wird. Wer bereit ist, so etwas haarsträubend Unplausibles zu glauben und sich dazu zu bekennen, beweist damit gegenüber der Gruppe der Gläubigen seine Vertrauenswürdigkeit. (Hanno Sauer, "Klasse", 2025 bei Piper, Seite 57 ).
Gelegentlich finde ich Exklusivität zugegebenermaßen recht reizvoll, ich bin schließlich nicht besser als der Rest der Menschheit, aber grundsätzlich lehne ich sie ab. Und die Brücken zu den Agnostikern, Atheisten und sich zu anderen Glaubensinhalten bekennenden Mitmenschen möchte ich nicht abbrechen. Ein Dasein allein unter Kirchenmenschen erschiene mir trist, traurig, freudlos. Ich wäre sehr einsam.
Ostern ist für mich das Fest, an dem wir das Leben feiern, den Sieg des Lebens über den Tod, den Neuanfang. Es erinnert uns daran, dass das Leben immer weitergeht, notfalls auch ohne uns und dass wir an jedem Tag neu damit anfangen können, etwas besser zu machen.
🐣
Viele meiner Mitchrist*innen fänden es ungeheuerlich, wenn ich bekenne, dass ich das nicht glauben will, weil es meiner Meinung nach nicht das ist, um das es geht. Denn was hat es für einen Nutzen, dass der Religionsgründer wieder atmen, reden, laufen konnte und dann doch für immer verschwand?
Ich lese gerade "Klasse" von Hanno Sauer, der zu diesem Kontext einen interessanten Gedanken entfaltet hat:
Der berühmte Ostergruß "Er ist wahrhaftig auferstanden!" stellt aus seiner Sicht den Abbruch der Brücke zu all denen dar, die nicht der christlichen Gemeinschaft angehören, weil hier etwas allgemeingültig Unmögliches als wahr konstatiert wird. Wer bereit ist, so etwas haarsträubend Unplausibles zu glauben und sich dazu zu bekennen, beweist damit gegenüber der Gruppe der Gläubigen seine Vertrauenswürdigkeit. (Hanno Sauer, "Klasse", 2025 bei Piper, Seite 57 ).
Gelegentlich finde ich Exklusivität zugegebenermaßen recht reizvoll, ich bin schließlich nicht besser als der Rest der Menschheit, aber grundsätzlich lehne ich sie ab. Und die Brücken zu den Agnostikern, Atheisten und sich zu anderen Glaubensinhalten bekennenden Mitmenschen möchte ich nicht abbrechen. Ein Dasein allein unter Kirchenmenschen erschiene mir trist, traurig, freudlos. Ich wäre sehr einsam.
Ostern ist für mich das Fest, an dem wir das Leben feiern, den Sieg des Lebens über den Tod, den Neuanfang. Es erinnert uns daran, dass das Leben immer weitergeht, notfalls auch ohne uns und dass wir an jedem Tag neu damit anfangen können, etwas besser zu machen.
🐣
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Sonntag, 8. März 2026
Seltsamer Zufall...
c. fabry, 15:18h
...dass der Weltfrauentag immer in die Passionszeit fällt. Frauenleben sind ja meistens eine einzige Passionszeit.
Aber die Hoffnung auf bessere Zeiten bleibt. Millionenfach haben Frauen in der Geschichte bewiesen, dass Kämpfen sich lohnt, auch wenn es einen langen Atem braucht.
Wenigstens ist heute das Wetter schön. Da fällt das Hoffen leichter.

Aber die Hoffnung auf bessere Zeiten bleibt. Millionenfach haben Frauen in der Geschichte bewiesen, dass Kämpfen sich lohnt, auch wenn es einen langen Atem braucht.
Wenigstens ist heute das Wetter schön. Da fällt das Hoffen leichter.

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