Montag, 2. November 2026
Der Trick mit dem Treat
c. fabry, 18:25h
Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber am Wochenende haben sehr furchtbare Menschen zu Halloween Süßigkeiten an Kinder ausgeteilt, die mit Nadeln gespickt waren. Angeblich ist dieser morbide Trend aus den USA nach NRW hinüber geschwappt und ich frage mich, ob die Urheber dieser „Tricks“ sich im Klaren darüber sind, dass das ein Kind das Leben kosten kann. Oder sind sie am Ende gar so krank, dass genau das ihre Absicht ist?
Worum geht es denen? Macht ausüben? Ihrem Hass auf Kinder freien Lauf lassen, so wie Katzen- oder Hundehasser Giftköder auslegen?
Oder soll es auf drastische Weise einen Protest gegen das Überschwappen US-amerikanischer Herbstkultur darstellen: Wer glaubt, Süßigkeiten von mir erpressen zu können, indem er mit gemeinen Streichen droht, dem spiele ich einen Streich? Wohin ist unsere Gesellschaft unterwegs, in der ich alles und jeden, der mir auf die Nerven geht schwer verletze oder sogar töte, nur, damit ich meine Ruhe habe, so wie man lästige Fliegen erschlägt?
Ich verstehe, wenn man es mit Halloween nicht so hat. Dann lässt man die Tür eben zu. Oder man verteilt besonders unattraktive Süßwaren wie altmodische Schokominzbonbons oder Ingwerstäbchen, dann bleiben die gierigen Kinder im kommenden Jahr von allein weg. Den ganz misanthropischen empfehle ich den Umzug in ein Haus an einer stark befahrenen Landstraße ohne Bürgersteig außerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Dahin verläuft sich kein Kind.
Man kann doch nicht einfach alle auslöschen, die einem auf die Nerven gehen. Da käme ich aus dem Töten gar nicht mehr heraus, einmal ganz abgesehen davon, dass mich schon längst jemand getötet hätte, sehr zum Leidwesen meiner Angehörigen, meiner Haustiere, einiger Freund*innen und einiger meiner Klient*innen. Wir alle nerven und werden genervt. Wir müssen damit umgehen, ohne uns gegenseitig zu schaden.
Woher kommt diese Lust, die Grenzen des humorvollen Neckens derartig zu überschreiten? Liegt es an dem Gefühl der politischen Ohnmacht, dem Kontrollverlust über das eigene Leben oder an der allgemeinen Degeneration, dem Verlust der physischen und psychischen Gesundheit durch permanente Reizüberflutung, Entgrenzung und Überangebot bei gleichzeitigem Mangel an grundlegenden Dingen wie echte, persönliche Aufmerksamkeit und Zuwendung, Liebe, Sinn und Perspektive? Und was können wir dagegen tun?
Ich kann mich nur denen zuwenden, die mir begegnen, insbesondere Kindern und Jugendlichen. Sie auch dann möglichst wertschätzend behandeln, wenn sie mit ihren generationsspezifischen Nervigkeiten meine Geduld strapazieren. Ich muss dann rechtzeitig für Distanz sorgen, wenn ich merke, dass es mir sonst zu viel wird.
Aber das, was ich da tue, tun etliche: beruflich, ehrenamtlich, im privaten Umfeld. Offenbar reicht es nicht. Was können wir denn sonst noch tun? Haben Sie gute Ideen? Dann immer her damit. Trick or Treat!
Worum geht es denen? Macht ausüben? Ihrem Hass auf Kinder freien Lauf lassen, so wie Katzen- oder Hundehasser Giftköder auslegen?
Oder soll es auf drastische Weise einen Protest gegen das Überschwappen US-amerikanischer Herbstkultur darstellen: Wer glaubt, Süßigkeiten von mir erpressen zu können, indem er mit gemeinen Streichen droht, dem spiele ich einen Streich? Wohin ist unsere Gesellschaft unterwegs, in der ich alles und jeden, der mir auf die Nerven geht schwer verletze oder sogar töte, nur, damit ich meine Ruhe habe, so wie man lästige Fliegen erschlägt?
Ich verstehe, wenn man es mit Halloween nicht so hat. Dann lässt man die Tür eben zu. Oder man verteilt besonders unattraktive Süßwaren wie altmodische Schokominzbonbons oder Ingwerstäbchen, dann bleiben die gierigen Kinder im kommenden Jahr von allein weg. Den ganz misanthropischen empfehle ich den Umzug in ein Haus an einer stark befahrenen Landstraße ohne Bürgersteig außerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Dahin verläuft sich kein Kind.
Man kann doch nicht einfach alle auslöschen, die einem auf die Nerven gehen. Da käme ich aus dem Töten gar nicht mehr heraus, einmal ganz abgesehen davon, dass mich schon längst jemand getötet hätte, sehr zum Leidwesen meiner Angehörigen, meiner Haustiere, einiger Freund*innen und einiger meiner Klient*innen. Wir alle nerven und werden genervt. Wir müssen damit umgehen, ohne uns gegenseitig zu schaden.
Woher kommt diese Lust, die Grenzen des humorvollen Neckens derartig zu überschreiten? Liegt es an dem Gefühl der politischen Ohnmacht, dem Kontrollverlust über das eigene Leben oder an der allgemeinen Degeneration, dem Verlust der physischen und psychischen Gesundheit durch permanente Reizüberflutung, Entgrenzung und Überangebot bei gleichzeitigem Mangel an grundlegenden Dingen wie echte, persönliche Aufmerksamkeit und Zuwendung, Liebe, Sinn und Perspektive? Und was können wir dagegen tun?
Ich kann mich nur denen zuwenden, die mir begegnen, insbesondere Kindern und Jugendlichen. Sie auch dann möglichst wertschätzend behandeln, wenn sie mit ihren generationsspezifischen Nervigkeiten meine Geduld strapazieren. Ich muss dann rechtzeitig für Distanz sorgen, wenn ich merke, dass es mir sonst zu viel wird.
Aber das, was ich da tue, tun etliche: beruflich, ehrenamtlich, im privaten Umfeld. Offenbar reicht es nicht. Was können wir denn sonst noch tun? Haben Sie gute Ideen? Dann immer her damit. Trick or Treat!
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Samstag, 3. Oktober 2026
Zum Tag der deutschen Einheit - und zu einem regionalen CVJM Jahresfest
c. fabry, 13:25h
Es gibt ein schönes Kinderbuch: Die Kleine Kartoffel und der Sinn des Lebens.
Die kleine Kartoffel bricht aus aus der Gemeinschaft. Sie will nicht in der allgemeinen Suppe untergehen. Sie spürt, dass sie zu Höherem bestimmt ist.
Ist das so ein Widerspruch? Bedeutet Eins sein oder Einigkeit, dass alle das Gleiche tun?
Wir feiern heute den Tag der deutschen Einheit. Ein von Siegermächten aufgeteiltes Deutschland durfte nach 40 Jahren wieder eine Gemeinschaft sein. Familien und Freund*innen feierten ein Wiedersehen. Solidarität wurde groß geschrieben. Aber es gab auch weiterhin viel Trennendes. Bis heute. 40 Jahre Sozialisation in zwei grundlegend verschiedenen politschen Systemen, das geht nicht spurlos an Menschen vorbei. Das wirkt lange nach. Bis heute. Doch viele arbeiten weiter daran, dass wir uns einigen: demokratisch, solidarisch, optimistisch.
Wir feiern das CVJM Jahresfest. In der Pariser Basis des CVJM Weltbundes steht der Satz: „Die Christlichen Vereine Junger Menschen haben den Zweck, solche jungen Menschen miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Menschen auszubreiten.“
Versteht Ihr das? Gemeint ist: dieser Verein ist dazu da, junge Menschen zusammen zu bringen, die sich zu Jesus Christus bekennen, so wie von ihm in der Bibel erzählt wird, die sich bemühen, nach seinem Vorbild zu leben und dieses durch Reden und Tun an andere weitergeben. Ich hoffe, das ist verständlicher.
Darum ist unser Verein kein Closed Shop und kein Exklusiver Haufen. Alle dürfen kommen und an unseren Angeboten teilhaben. Auch Menschen, die der Kirche skeptisch gegenüber stehen. Auch Menschen mit einer anderen Religion. Sie müssen sich nur an unsere wichtigste Regel halten: ein respektvoller Umgang mit jeder und jedem.
Jesus wollte, dass seine Jünger eine Einheit bilden und danach die ganze Christenheit. Aber sollte es nicht für die ganze Menschheit gelten? Vielleicht ist es anmaßend, an dieser Stelle weiter zu denken. Doch Jesus hat sich im Laufe seines Wirkens auch weiter entwickelt. In der Geschichte von der Kanaaniterin, die um Heiling für ihre Tochter bittet, weist Jesus sie zurück, weil sie keine Jüdin ist, Er beleidigt sie sogar, indem er erklärt: Man nimmt das Brot nicht den Kindern weg, um es den Hunden vorzuwerfen. Die Frau beschämt ihn, indem sie argumentiert, dass die Hunde von den Bissen leben, die zufällig vom Tisch fallen. Daraufhin denkt Jesus um. Er bewundert den tiefen Glauben dieser fremden Frau und ändert seine Haltung. Er hilft ihr und will fortan für alle Menschen da sein.
Ich glaube der Jesus von heute, will alle umarmen. Nicht nur die, sie sich offiziell zu ihm bekennen.
Die kleine Kartoffel war anders als die anderen, doch sie hat sich auf ihre Weise hervorgetan. Als Saatkartoffel hat sie dazu beigetragen, dass die Menschen und Tiere auch in Zukunft satt werden. Ihr eigenes Leben hat sie damit beendet, denn wer schon einmal eine Saatkartoffel ausgegraben hat, weiß dass sie matschig und ungenießbar ist. Sie wird in der Erde vergehen. Aber sie hat reichlich Nachkommen hervorgerbracht, von denen einige ihrem Beispiel folgen werden. Meistens nimmmt man dafür die kleinen.
Und so hat jeder in einer Gemeinschaft seinen Wert. Auch der oder diejenige, der oder die einfach nur da ist. Auch Pflegebedürftige, Menschen mit schwersten Behinderungen, Schwache, Kranke, Sterbende.
Morgen feiern wir Erntedankfest. Da spielen die Früchte des Feldes auch eine traditionelle Rolle. Auch die Kartoffel. Und wer sich ein bisschen auskennt, weiß dass es Kartoffeln nicht nur in gelb mit brauner Schale gibt, sondern auch mit roter Schale, mit lila Fruchtfleisch oder als orange Süßkartoffel, in skurrilen Formen, festkochend, mehlig und mit sehr unterschiedlichen Aromen.
Und was man alles daraus machen kann! Fritten, Salzkartoffeln, Puffer, Pürree, Kroketten, Bratkartoffeln, Gratin, Chips,…
So können sich auch Menschen auf so vielfältige Weise entwickeln und ihren nützlichen Beitrag leisten zu einer wunderbaren, bunten, vielfältigen, lebendigen Gemeinschaft.
Feiern wir die Einigkeit der Vielfalt: Als CVJM-er, als Christ*innen, als Deutsche, als Europäer*innen, als Weltbürger*innen, als Menschen.
Amen
Die kleine Kartoffel bricht aus aus der Gemeinschaft. Sie will nicht in der allgemeinen Suppe untergehen. Sie spürt, dass sie zu Höherem bestimmt ist.
Ist das so ein Widerspruch? Bedeutet Eins sein oder Einigkeit, dass alle das Gleiche tun?
Wir feiern heute den Tag der deutschen Einheit. Ein von Siegermächten aufgeteiltes Deutschland durfte nach 40 Jahren wieder eine Gemeinschaft sein. Familien und Freund*innen feierten ein Wiedersehen. Solidarität wurde groß geschrieben. Aber es gab auch weiterhin viel Trennendes. Bis heute. 40 Jahre Sozialisation in zwei grundlegend verschiedenen politschen Systemen, das geht nicht spurlos an Menschen vorbei. Das wirkt lange nach. Bis heute. Doch viele arbeiten weiter daran, dass wir uns einigen: demokratisch, solidarisch, optimistisch.
Wir feiern das CVJM Jahresfest. In der Pariser Basis des CVJM Weltbundes steht der Satz: „Die Christlichen Vereine Junger Menschen haben den Zweck, solche jungen Menschen miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Menschen auszubreiten.“
Versteht Ihr das? Gemeint ist: dieser Verein ist dazu da, junge Menschen zusammen zu bringen, die sich zu Jesus Christus bekennen, so wie von ihm in der Bibel erzählt wird, die sich bemühen, nach seinem Vorbild zu leben und dieses durch Reden und Tun an andere weitergeben. Ich hoffe, das ist verständlicher.
Darum ist unser Verein kein Closed Shop und kein Exklusiver Haufen. Alle dürfen kommen und an unseren Angeboten teilhaben. Auch Menschen, die der Kirche skeptisch gegenüber stehen. Auch Menschen mit einer anderen Religion. Sie müssen sich nur an unsere wichtigste Regel halten: ein respektvoller Umgang mit jeder und jedem.
Jesus wollte, dass seine Jünger eine Einheit bilden und danach die ganze Christenheit. Aber sollte es nicht für die ganze Menschheit gelten? Vielleicht ist es anmaßend, an dieser Stelle weiter zu denken. Doch Jesus hat sich im Laufe seines Wirkens auch weiter entwickelt. In der Geschichte von der Kanaaniterin, die um Heiling für ihre Tochter bittet, weist Jesus sie zurück, weil sie keine Jüdin ist, Er beleidigt sie sogar, indem er erklärt: Man nimmt das Brot nicht den Kindern weg, um es den Hunden vorzuwerfen. Die Frau beschämt ihn, indem sie argumentiert, dass die Hunde von den Bissen leben, die zufällig vom Tisch fallen. Daraufhin denkt Jesus um. Er bewundert den tiefen Glauben dieser fremden Frau und ändert seine Haltung. Er hilft ihr und will fortan für alle Menschen da sein.
Ich glaube der Jesus von heute, will alle umarmen. Nicht nur die, sie sich offiziell zu ihm bekennen.
Die kleine Kartoffel war anders als die anderen, doch sie hat sich auf ihre Weise hervorgetan. Als Saatkartoffel hat sie dazu beigetragen, dass die Menschen und Tiere auch in Zukunft satt werden. Ihr eigenes Leben hat sie damit beendet, denn wer schon einmal eine Saatkartoffel ausgegraben hat, weiß dass sie matschig und ungenießbar ist. Sie wird in der Erde vergehen. Aber sie hat reichlich Nachkommen hervorgerbracht, von denen einige ihrem Beispiel folgen werden. Meistens nimmmt man dafür die kleinen.
Und so hat jeder in einer Gemeinschaft seinen Wert. Auch der oder diejenige, der oder die einfach nur da ist. Auch Pflegebedürftige, Menschen mit schwersten Behinderungen, Schwache, Kranke, Sterbende.
Morgen feiern wir Erntedankfest. Da spielen die Früchte des Feldes auch eine traditionelle Rolle. Auch die Kartoffel. Und wer sich ein bisschen auskennt, weiß dass es Kartoffeln nicht nur in gelb mit brauner Schale gibt, sondern auch mit roter Schale, mit lila Fruchtfleisch oder als orange Süßkartoffel, in skurrilen Formen, festkochend, mehlig und mit sehr unterschiedlichen Aromen.
Und was man alles daraus machen kann! Fritten, Salzkartoffeln, Puffer, Pürree, Kroketten, Bratkartoffeln, Gratin, Chips,…
So können sich auch Menschen auf so vielfältige Weise entwickeln und ihren nützlichen Beitrag leisten zu einer wunderbaren, bunten, vielfältigen, lebendigen Gemeinschaft.
Feiern wir die Einigkeit der Vielfalt: Als CVJM-er, als Christ*innen, als Deutsche, als Europäer*innen, als Weltbürger*innen, als Menschen.
Amen
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Freitag, 14. August 2026
Wird Denken zu anstrengend? - unfertige Gedanken ohne den Anspruch auf Unanfechtbarkeit
c. fabry, 18:38h
Es gibt keine Zwischentöne mehr – nur noch schwarz oder weiß, dafür oder dagegen, für die einen oder für die anderen.
Ich gebe den kurzlebigen sozialen Medien und der heruntergefahrenen Aufmerksamkeitsspanne die Schuld. Aber ich bin auch alt und unflexibel.Doch welche Erklärung gibt es sonst für dieses unreflektierte, turbomäßige Einsortieren in Schubladen in denen dann einmal Eingeordnetes gefälligst zu bleiben hat?
Ich nenne drei konkrete Beispiele, an denen deutlich wird, was ich meine.
1. Der Palästina-Israel-Konflikt
Da gibt es die einen, die in ihrer – berechtigten – Kritik an der Politik der israelischen Regierung so weit gehen, Menschen dafür in Sippenhaft zu nehmen, die gar nichts damit zu tun haben. Jüdische Menschen, die in Israel nicht einmal gewählt haben, Israelis, die die Regierung Nentanjahu vermutlich gar nicht unterstützen. Und dann werden womöglich die Verbrechen der Hamas verharmlost als notwendige Reaktion auf die jahrzehntelange Unterdrückung.
Die anderen verlangen uneingeschränkte Solidarität mit dem Staat Israel. Egal, was diese Regierung verbricht. Und eine Eva Menasse, die selbst jüdische Wurzeln hat, wird von diesen Menschen verdammt, weil sie sagt, dass es kein Antisemitismus sei, wenn man das Existenzrecht des Staats Israel anzweifelt. So als würde der Opferstatus einer von sexualisierter Gewalt betroffenen Person rechtfertigen, dass sie selbst zur Tatperson wird.
Das ist alles so undifferenziert, trägt der Komplexität des Konfliktes nicht im Mindesten Rechnung. Dabei gibt es viel Leid und Unrecht auf beiden Seiten, so wie es auch auf beiden Seiten viele Menschen gibt die um Versöhnung und Frieden ringen. Statt die zu unterstützen, werden jene unterstützt, die den Konflikt am Kochen halten.
2. Migrationspolitik
Da sind die Extremisten, die Menschen mit Migrationshintergrund die Schuld geben an diversen Missständen. Wenn ein marokkanischer Clan ein Stadtviertel unsicher macht, müssen gleich alle Marokkaner das Land verlassen. Wenn eine Moschee-Gemeinde als salafistisch entlarvt wird, will man alles Moscheen schließen usw. Ein kleiner Prozentsatz, der zu einer Gruppe gehört, die einem fremd ist, die man nicht versteht, begeht Fehler und gleich soll die ganze Gruppe verschwinden. Damit man sich mit dem Problem nicht mehr befassen muss.
Dann sind da die besonders sensiblen, die sofort in maximale Empörung verfallen, wenn eine Problem mit einer bestimmten Personengruppe beispielsweise in einem Stadtteil angesprochen wird. Sofort werden die Menschen, die sich beklagen, als Rassisten bezeichnet. Vielleicht sind ihre Formulierungen nicht lupenrein, vielleicht ist ihre Kritik nicht perfekt durchdacht. Aber es ist doch schlimm, wenn man Angst vor Übergriffen haben muss, wenn dominantes Platzhirschverhalten alle anderen von bestimmten Plätzen verdrängt, wenn Frauen verachtet werden und Menschen, die nicht in das eigene Weltbild passen, verhöhnt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen werden.
3. Catcalling
Verstehen Sie mich nicht falsch. Abfällige Kommentare über den Körper sind unerträglich. Scheinbar wertschätzende Bemerkungen mit eindeutig sexualisiertem Inhalt, in dem die betroffene Person entpersonalisiert und zur Ware degradiert wird, die zu besitzen man begehrt, sind widerwärtig und unter Umständen bedrohlich und darum abzulehnen.
Schnell wird daraus aber eine generelle Ablehnung des Flirts auf der Straße, des Verteilens von Komplimenten, die sich auch mal nur auf die Attraktivität das Körpers beziehen. Warum eigentlich nicht? Was ist schlimm daran zu hören, man sehe schön aus oder habe tolle Beine oder besonders eindrucksvolles Haar? Selbst wenn jemand damit signalisiert, dass er Interesse hat, sich zu paaren...irgendwie müssen die Menschen ja einmal zur Sache kommen. :-)
Zugegeben, es ist äußerst diffizil – wo endet das aufbauende Kompliment und wo beginnt der Übergriff? Jeder Mensch empfindet das anders. Während ich mich königlich amüsierte, wenn mir im Italien-Urlaub fremde Männer eine flirtendes „Ciao“ hinterher riefen und ich es gleichermaßen erwiderte, aber auch unbehelligt weiter ging, hatte meine mexikanische Weggefährtin große Angst, im nächsten Moment verfolgt zu werden. Sie kam aus einem Kulturkreis, in dem ihr das vermutlich passiert wäre. Und das ist sehr schlimm.
Nur dieses – ach es ist so kompliziert – da stellen wir es am besten komplett unter Strafe, erscheint mir so unendlich dumm und macht unser Miteinander ärmer, langweiliger und liebloser. Geradezu blutleer und seelenlos.
Jesus von Nazareth wird folgende Äußerung zugeschrieben:
„Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. 12Denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.“
(Matthäus 19)
Auch hier geht es um Zwischentöne, Uneindeutigkeit und die Unfähigkeit vieler, dies auszuhalten. Ich wünsche mir eine bunter Welt, in der es das, was es gibt geben darf, solange es die Grenzen anderer nicht verletzt, in der Menschen diese Grenzen respektvoll miteinander aushandeln und dann auch einhalten
Aber vielleicht bin ich auf nur zu alt und verstehe das alles einfach nicht mehr. Wie denken Sie darüber?
https://cristinafabry.blogger.de/stories/2917752/
Ich gebe den kurzlebigen sozialen Medien und der heruntergefahrenen Aufmerksamkeitsspanne die Schuld. Aber ich bin auch alt und unflexibel.Doch welche Erklärung gibt es sonst für dieses unreflektierte, turbomäßige Einsortieren in Schubladen in denen dann einmal Eingeordnetes gefälligst zu bleiben hat?
Ich nenne drei konkrete Beispiele, an denen deutlich wird, was ich meine.
1. Der Palästina-Israel-Konflikt
Da gibt es die einen, die in ihrer – berechtigten – Kritik an der Politik der israelischen Regierung so weit gehen, Menschen dafür in Sippenhaft zu nehmen, die gar nichts damit zu tun haben. Jüdische Menschen, die in Israel nicht einmal gewählt haben, Israelis, die die Regierung Nentanjahu vermutlich gar nicht unterstützen. Und dann werden womöglich die Verbrechen der Hamas verharmlost als notwendige Reaktion auf die jahrzehntelange Unterdrückung.
Die anderen verlangen uneingeschränkte Solidarität mit dem Staat Israel. Egal, was diese Regierung verbricht. Und eine Eva Menasse, die selbst jüdische Wurzeln hat, wird von diesen Menschen verdammt, weil sie sagt, dass es kein Antisemitismus sei, wenn man das Existenzrecht des Staats Israel anzweifelt. So als würde der Opferstatus einer von sexualisierter Gewalt betroffenen Person rechtfertigen, dass sie selbst zur Tatperson wird.
Das ist alles so undifferenziert, trägt der Komplexität des Konfliktes nicht im Mindesten Rechnung. Dabei gibt es viel Leid und Unrecht auf beiden Seiten, so wie es auch auf beiden Seiten viele Menschen gibt die um Versöhnung und Frieden ringen. Statt die zu unterstützen, werden jene unterstützt, die den Konflikt am Kochen halten.
2. Migrationspolitik
Da sind die Extremisten, die Menschen mit Migrationshintergrund die Schuld geben an diversen Missständen. Wenn ein marokkanischer Clan ein Stadtviertel unsicher macht, müssen gleich alle Marokkaner das Land verlassen. Wenn eine Moschee-Gemeinde als salafistisch entlarvt wird, will man alles Moscheen schließen usw. Ein kleiner Prozentsatz, der zu einer Gruppe gehört, die einem fremd ist, die man nicht versteht, begeht Fehler und gleich soll die ganze Gruppe verschwinden. Damit man sich mit dem Problem nicht mehr befassen muss.
Dann sind da die besonders sensiblen, die sofort in maximale Empörung verfallen, wenn eine Problem mit einer bestimmten Personengruppe beispielsweise in einem Stadtteil angesprochen wird. Sofort werden die Menschen, die sich beklagen, als Rassisten bezeichnet. Vielleicht sind ihre Formulierungen nicht lupenrein, vielleicht ist ihre Kritik nicht perfekt durchdacht. Aber es ist doch schlimm, wenn man Angst vor Übergriffen haben muss, wenn dominantes Platzhirschverhalten alle anderen von bestimmten Plätzen verdrängt, wenn Frauen verachtet werden und Menschen, die nicht in das eigene Weltbild passen, verhöhnt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen werden.
3. Catcalling
Verstehen Sie mich nicht falsch. Abfällige Kommentare über den Körper sind unerträglich. Scheinbar wertschätzende Bemerkungen mit eindeutig sexualisiertem Inhalt, in dem die betroffene Person entpersonalisiert und zur Ware degradiert wird, die zu besitzen man begehrt, sind widerwärtig und unter Umständen bedrohlich und darum abzulehnen.
Schnell wird daraus aber eine generelle Ablehnung des Flirts auf der Straße, des Verteilens von Komplimenten, die sich auch mal nur auf die Attraktivität das Körpers beziehen. Warum eigentlich nicht? Was ist schlimm daran zu hören, man sehe schön aus oder habe tolle Beine oder besonders eindrucksvolles Haar? Selbst wenn jemand damit signalisiert, dass er Interesse hat, sich zu paaren...irgendwie müssen die Menschen ja einmal zur Sache kommen. :-)
Zugegeben, es ist äußerst diffizil – wo endet das aufbauende Kompliment und wo beginnt der Übergriff? Jeder Mensch empfindet das anders. Während ich mich königlich amüsierte, wenn mir im Italien-Urlaub fremde Männer eine flirtendes „Ciao“ hinterher riefen und ich es gleichermaßen erwiderte, aber auch unbehelligt weiter ging, hatte meine mexikanische Weggefährtin große Angst, im nächsten Moment verfolgt zu werden. Sie kam aus einem Kulturkreis, in dem ihr das vermutlich passiert wäre. Und das ist sehr schlimm.
Nur dieses – ach es ist so kompliziert – da stellen wir es am besten komplett unter Strafe, erscheint mir so unendlich dumm und macht unser Miteinander ärmer, langweiliger und liebloser. Geradezu blutleer und seelenlos.
Jesus von Nazareth wird folgende Äußerung zugeschrieben:
„Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. 12Denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.“
(Matthäus 19)
Auch hier geht es um Zwischentöne, Uneindeutigkeit und die Unfähigkeit vieler, dies auszuhalten. Ich wünsche mir eine bunter Welt, in der es das, was es gibt geben darf, solange es die Grenzen anderer nicht verletzt, in der Menschen diese Grenzen respektvoll miteinander aushandeln und dann auch einhalten
Aber vielleicht bin ich auf nur zu alt und verstehe das alles einfach nicht mehr. Wie denken Sie darüber?
https://cristinafabry.blogger.de/stories/2917752/
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