Samstag, 13. August 2022
Mach was draus!
Kennen Sie Geschichte von den anvertrauten Pfunden bzw. Talenten? In Kurzform geht sie so: Ein reicher Kaufmann verreist für ein Jahr und vertraut seinen Dienern sein Vermögen an. Einer bekommt fünf Talente (damalige Gewichtseinheit, die einen Geldwert ausdrückte), einer zwei und einer ein Talent.
Nach einem Jahr haben die mit den Fünf und den zwei Talenten ihr Vermögen vermehrt und bekommen zum Dank etwas geschenkt. Der mit dem einen Talent hat es vergraben, damit nichts damit passiert, aber er hat eben auch nichts daraus gemacht, darum wird es ihm weggenommen und er geht leer aus.

Ausführlich nachzulesen hier: https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us25%2C14-30

Dieses Gleichnis, das Jesus erzählte, sollte verdeutlichen, dass jeder Mensch seine persönlichen Begabungen für die Gemeinschaft und den Glauben einsetzen sollte.

Wenn man Kindern oder Jugendlichen die Geschichte erzählt, sind sie jedes Mal außer sich. So eine Sauerei. Der, der ohnehin schon so wenig hat, dem wird das Wenige auch noch genommen. Die anderen waren eh schon besser dran und er hat das Vermögen ja nicht veruntreut, hat es nicht aufs Spiel gesetzt, sondern gut darauf aufgepasst.

Aber er hat auch nichts daraus gemacht. Wenn wir dann erklärt haben, dass es hier um Talente im Sinne von Gaben und Fähigkeiten geht (denn der Begriff Talent als Synonym für Begabung ist genau durch diese Geschichte in unseren Sprachgebrauch gelangt), dass man aus dem, was einem anvertraut wurde, etwas machen soll, statt es zu verstecken und dass jeder Mensch irgendetwas mitbekommen hat und sei es auch noch so wenig, dann legte sich bei vielen der Schalter um.

Es geht um die Wertschätzung der eigenen Möglichkeiten. Um das Entdecken von Talenten und den Mut, sich auszuprobieren und zu zeigen. Das ist gerade für Heranwachsende besonders wichtig, steigert ihr Selbstwertgefühl und ihre Resilienz.

Für uns Erwachsene sehe ich aber noch einen anderen Aspekt, denn auch die vordergründige Botschaft der Geschichte ist brandaktuell. Wir haben hier in den reichen Industrienationen so viel Ressourcen und Möglichkeiten zur Verfügung. Und was machen wir daraus? Wir lassen alles verkommen, müllen alles zu, verschwenden und setzen unsere Kräfte nicht ein, um die reichen Gaben zu nutzen und für alle zu vermehren, sondern nur für unseren Spaß und unser Wohlbefinden: Freizeitpark, statt Radtour, Sport statt Arbeit, Ferienreisen statt Obsternte, Fernsehen statt erholsam schlafen und am nächsten Tag wieder bei Kräften zu sein.

Nein, es ist natürlich okay, Sport zu treiben, in den Urlaub zu fahren und vor dem Fernseher abzuhängen. Aber nur?
Gerade habe ich mehr Mirabellen-Marmelade gekocht, als wir brauchen. Die verschenke ich jetzt. Und die restlichen Früchte sind für die Hühner, Vögel, Wespen, Bienen, Maden?
Sehr, sehr kleiner Schritt. Aber vielleicht besser als liegen zu bleiben und das Sofa voll zu pupsen.

Was? Sie haben keinen Garten und hätten gern ein Glas Mirabelle-Vanille-Mandel-Marmelade?. Schreiben Sie, wo ich sie hinschicken soll ;-)

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