Freitag, 31. Januar 2020
Offenbarung - Wer offenbart mir seine Eindrücke? - Bin neugierig
Schon mal die Offenbarung des Johannes gelesen? Dort steht der Predigttext für den 2. Februar und zwar hier:
https://www.bibleserver.com/LUT/Offenbarung1 - die Verse 9-18

Ein paar kurze Gedanken dazu:

Wer Gott sucht, kann das Heft nicht selbst in die Hand nehmen, er oder sie muss bereit sein, sich finden zu lassen. Vielleicht wird er sich dir dann nicht so offenbaren, wie du ihn erwartest, dafür aber so wie du ihn gerade brauchst.

Seine Macht offenbart sich in seinem scharfen Wort, das wie ein zweischneidiges Schwert seinen Gegner zerschneidet, klar und präzise Dinge auf den Punkt bringt, machtvoll ist und tatsächlich etwas bewirkt.

Und dieser mächtige Gott wendet sich dir zu, beschützt, tröstet dich, ist an deiner Seite, auch wenn du ihn manchmal nicht gespürt hast, er vielleicht tatsächlich abwesend war.

Tod und Hölle hat er angeblich im Griff. Doch wir haben hier noch immer die Hölle auf Erden und gestorben wird auch immer noch. Vielleicht ist dieser Einwand auch etwas platt. Stattdessen denke ich daran, dass ich nicht zulassen will, dass das Böse etwas Gutes, Lebendiges und Heilsames in mir abtötet und dass ich die Hölle nicht in mein Herz lasse.

Ausführlicheres zu diesem Text im Kommentar.

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Johannes war auf Pathmos, weil er die Vision suchte. Er lieferte sich Gott aus, wartete, was passierte und ließ es geschehen. Er griff nicht nach Gott, er ließ sich ergreifen.

Er hörte aber nicht wie Elia ein sanftes Sausen, sondern eine laute, donnernde Stimme. Der Prophet Elia war ein brutaler Massenmörder, dem Gott den Kopf zurechtrücken musste. Johannes dagegen war vielleicht ängstlich und verunsichert und hatte einen starken Beschützer nötig. Erleben wir Gott so, wie wir ihn gerade brauchen?

Dann kommt der prophetische Auftrag: Achtsam sein, alles aufschreiben und an sieben Gemeinden schicken, ausgewählte Multiplikatoren. Nicht fünf, nicht acht, nein, magische sieben, die Verbindung aus der irdischen Vier (Himmelsrichtungen) und der göttlichen Drei (Trinität).

Da wo die Stimme herkommt, sieht er sieben Leuchter für die sieben Gemeinden. Aber was für Leuchter? Menorahs? Also sieben mal sieben Lichter?

Eine Gestalt unter den sieben Leuchtern gleicht Jesus, dem Menschensohn, dem Sohn Gottes, der Mensch geworden ist, königlich gekleidet, weißes Haar wie ein weiser alter Mann (oder einer, der durch den Tod gegangen ist – hatte Tolkien daher die Inspiration zu Gandalf dem Weißen?).
Augen wie Feuer, ein glutäugiger Jesus, leidenschaftlich, stark und furchteinflößend. Füße wie glühendes Golderz, versengende Hitze, schön und gefährlich, dazu eine Stimme wie ein tosender Wasserfall. Ein gewaltiger Jesus, kraftvoll, überwältigend, inspirierend, wenn man sich ihm entgegenstellt. Kein Opferlamm mehr, eher ein Krieger.

Die sieben Sterne in der Hand werden genau wie die sieben Leuchter nach dem Text erklärt: Sieben Sterne für sieben Engel, die für die sieben Gemeinden da sind, für die die Leuchter stehen.

Aus Jesu Mund kommt ein scharfes, zweischneidiges Schwert, der reinste Terminator. Ist es eine Zunge oder klemmt es martialisch zwischen den Zähnen, wie bei der Darstellung „Christus als Weltenrichter“, einem Sandsteinrelief, das ursprünglich das Portal des Wittenberger Friedhofs zierte und vor dem Luther sich zeitlebens graute.
Auf jeden Fall kann es gut sein, das die Zunge für das scharfe Wort steht, das seinen Gegner zerschneidet, klar und präzise Dinge auf den Punkt bringt, machtvoll ist und tatsächlich etwas bewirkt.

Das Gesicht Jesu leuchtet wie die Sonne. Auch wenn Licht positiv besetzt ist, kann zu viel davon blenden und zu viel Sonne kann Leben verbrennen. Darum bricht Johannes auch ohnmächtig vor Angst vor der Erscheinung zusammen.
Aber die rechte Hand, in der er noch eben die sieben Sterne hielt, die die Engel für die sieben Gemeinden symbolisierten, die legt Jesus dem Visionär auf die Schulter oder den Rücken oder den Kopf. Auf jeden Fall tritt er in Körperkontakt, gibt die Gestalt des Schreckgespenstes auf und wird wieder der fürsorgliche, liebende Freund, als den ihn alle kannten.
Und er sagt: Hab keine Angst, ich bin nicht gefährlich, ich habe mich dir nur gezeigt als das, was ich bin, der Erste und der Letzte. Mit mir beginnt das Leben und ich stehe auch an seinem Ende. Dir kann nichts passieren. Ich bin immer da und halte dich.
Und er geht noch weiter, betont, dass er kein Hirngespinst ist, keine von menschlicher Vorstellungskraft erschaffene, imaginäre Instanz, sondern lebendig, greifbar und wirksam.

Aber er war auch tot, abwesend, hat die Seinen eine Weile in ihrem Elend allein gelassen, da mussten sie ohne ihn klarkommen. Genau wie wir heute. Wie oft schon hatten wir das Gefühl, von Gott verlassen zu sein, dass da rein gar nichts ist, so demaßen gar nichts, dass man es sich noch nicht einmal einbilden kann. Aber das ist jetzt vorbei. Und das ist sein Versprechen: Er wird nie wieder tot sein. Er hat den Schlüssel zu Tod und Hölle. Hat er abgeschlossen? Vermutlich. Den Schlüssel weggeschmissen? Sicher nicht, denn er hat nun die Macht darüber. Man weiß ja, was der Besitz oder Nichtbesitz eines Schlüssels bedeutet. Besonders in Kirchengemeinden. Jesus ist der Küster ;-)

Doch Tod und Hölle sind nicht verschlossen. Sie sind täglich unter uns. Wir Christen glauben, dass wir beiden entkommen können, indem wir uns von Jesus retten lassen. Ich denke jetzt mal gar nicht an das ewige Leben, was mit der Seele geschieht, wenn der letzte Atemzug getan, der letzte Herzschlag verklungen, der letzte Hirnstrom geflossen ist.
Ich denke auch nicht an das Grauen und Sterben um mich herum.
Ich denke daran, dass ich nicht zulassen will, dass das Böse etwas Gutes, Lebendiges und Heilsames in mir abtötet und dass ich die Hölle nicht in mein Herz lasse.

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